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Dec. 5th, 2009

  • 9:59 AM
Wolfram
Ich war gerade, nach einigen Wochen mal wieder, bei Youtube und habe meine "Favoriten" aufgeräumt. Von paar-und-achtzig sind jetzt noch einundvierzig übrig. Und das nicht etwa, weil ich die alten Schinken nicht mehr hören wollte oder die Videos dazu plötzlich doch doof fand (mich interessiert sowieso nur die Musik) - nein, sondern weil Youtube die betreffenden Videos gesperrt hat, bzw. den Ton deaktiviert. Hintergrund dazu ist, wie manche vielleicht mitbekommen haben, ein Streit um Urheber- und Verwertungsrechte zwischen Google (dem Youtube gehört) und dem britischen Äquivalent zur GEMA, mittlerweile auch zwischen Google und der deutschen GEMA. Die Verwertungsgesellschaften verlangen von Google, pro abgespieltem Musiktrack einen Pauschalbetrag an sie zu überweisen (ich glaube, 1 Cent war da im Gespräch). Da Youtube laut Google auf diese Art nicht wirtschaftlich zu betreiben ist, wird nicht gezahlt, sondern gesperrt.
In die Röhre schauen die User, deren Videos gesperrt werden, bzw. die nun plötzlich keinen Zugang zur kompletten Musik verschiedener Künstler haben (Robbie Williams geht nicht mehr, Aerosmith geht nicht mehr, Meat Loaf zum großen Teil, da ist die "Aufräumaktion" wohl noch nicht abgeschlossen, und viele andere auch nicht mehr). In die Röhre schauen aber auch, anders kann ich mir das nicht vorstellen, die Künstler, für die Youtube eine gute Werbeplattform gewesen sein muss. Auf die US-Band "Thriving Ivory" wäre ich z.B. ohne Youtube nie gekommen, die kennt hierzulande doch kein Mensch (oder lebe ich hinter dem Mond?), und das Meat Loaf "Greatest Hits" habe ich mir auch nur angeschafft, weil ich die Musik dann doch lieber auf meiner HiFi-Anlage in guter Qualität hören wollte, statt mir das blecherne Gekrächze aus dem Internet anzutun.
Ich bin doch da bestimmt kein Einzelfall, oder?
Hier sind mal zwei Links, die den Hintergrund der Streitigkeiten etwas näher beleuchten:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,612343,00.html
http://www.zeit.de/online/2009/14/youtube-urheberrecht-gema
Fazit: Youtube macht echt keinen Spaß mehr. Denn wozu führt diese "Auslese"? Übrig bleiben und bei Youtube nach wie vor abrufbar sind Urlaubsvideos, Schwachmaten-Sauffilmchen, peinliche Selbstdarstellungen von pickeligen Jugendlichen, die auf der Gitarre irgendein grottiges Cover krampfen. Ja, super, dadurch wird die Plattform erst richtig attraktiv. Ich meine, wer will denn diesen Mist sehen? Logische Konsequenz daraus wird sein, dass Youtube über kurz oder lang komplett dicht gemacht wird, weil die "Publikumsmagneten" fehlen.
Ich bin absolut und unbedingt der Ansicht, dass Künstler jeder Form auch für ihre Leistung bezahlt werden sollen. Keine Frage. Aber wenn Klaus sich den "Spielmann" kauft und ihn an Helmut weiter verleiht, kann es doch wohl nicht angehen, dass ich von Helmut Geld fürs Lesen verlange?
Das ist es ja letztendlich, was die Musikindustrie erreichen will. Der Verkauf von CDs ist, obwohl der Kunde da für plusminus 10 Euro einen "Pfennigartikel" erwirbt, längst nicht mehr interessant genug. Selbst bezahlte Downloads bringen es nicht. Spannend wird es für die erst, wenn sie eine Art "Pay per Listen" eingeführt haben, nach dem Vorbild des "Pay per View": der Kunde soll jedes Mal, wenn er einen Titel wieder hören will, neu bezahlen.
Mal ehrlich: Das sind doch Räuber! Habe ich als Kunde nicht das Recht, wenn ich einmal für ein Werk bezahlt habe, es zu nutzen, wie es mir beliebt, SOLANGE ICH KEIN GELD DAMIT VERDIENE? Die Youtube-Videomacher tun ja auch nichts anderes. Sie "verleihen" die Musik eben nur einem größeren Nutzerkreis.
Wo geht Ihr denn mittlerweile hin, wenn Ihr Musik hören / Videos angucken wollt? Gibt es schon einen Youtube-Nachfolger, oder traut sich momentan auch kein anderer? Für Tipps wäre ich dankbar.
Was gibt es sonst?
Ich huste mir hier schon wieder stückchenweise die Lunge raus, war die ganze Woche krank geschrieben und pflege mich übers Wochenende, damit ich nächste Woche wieder einsatzbereit bin. Natürlich geht es auch diesmal nicht ohne Antibiotikum, grmpf.
Die Fliegenden Fische werde ich in den nächsten Tagen an die interessierte Agentin losfliegen lassen, und dann habe ich mir bezüglich des zweiten Spielmannes ein Ultimatum selbst gemacht: ich habe, sozusagen versehentlich, schon eine ISBN für das Werk beantragt. So muss ich nun binnen 3 Monaten veröffentlichen, oder sie verfällt. (Dann kann man zwar eine neue beantragen, aber das kostet wieder Geld.) Stichtag für den neuen Spielmann ist also der zweite März, mal sehen, ob ich das gewuppt kriege...
Ansonsten hat Herr Koch es zwar geschafft, den unliebigen Journalisten Brender zu entfernen (ich seh' schon die Zitronen blühen...), aber immerhin haben die Bayern ihr Volksbegehren gewonnen. Und dabei besser abgeschnitten, als jemals zuvor ein anderes bayerisches Volksbegehren. Es ging um Nichtraucherschutz, übrigens, für alle Nicht-Bayern, und gegen die schrittweise Aufweichung des Rauchverbotes durch die aktuelle Landesregierung. Man erinnere sich: Bayern ist ja kürzlich erst vom Absolutismus zu einem demokratie-ähnlichen System konvertiert, sprich, die absolute Mehrheit der CSU ging nach paar-und-fünfzig Jahren endlich verloren (ich weiß, solche Zeiträume kann man sich außerhalb Bayerns gar nicht vorstellen; das liegt an den vielen Bergen, die wir hier haben, die versperren die Sicht) und muss nun mit der FDP regieren. Im Nachgang zu dieser "Wahlschlappe" war die neue Regierung sofort bemüht, ihr Image zu polieren, und verfiel auf die Idee, die Raucher wieder für sich zu gewinnen. (Ja, das war die gleiche Partei, die zu Absolutismus-Zeiten den Nichtraucherschutz eingeführt hat, aber wer wird denn so kleinlich sein.) Plötzlich sollte das Rauchen hier und dort, in Bierzelten und Kneipen, die kleiner als keine-Ahnung-wieviel Quadratmeter sind, bei Vollmond und in Gegenwart von zwölf blondzöpfigen Dirndlträgerinnen, unter Absingen von drei Rosenkränzen und im Schatten eines Maibaumes wieder erlaubt sein. Dem hat das Volksbegehren einen Strich durch die Rechnung gemacht, und laut Statistik gewinnt man auch einen Volksentscheid, wenn man das VB gewonnen hat. Ich verfolge das mit Spannung.
Und jetzt geh' ich besser mal Spielmann schreiben, die Zeit läuft...
(tick-tack...)

Stoppt den Koch!

  • Nov. 25th, 2009 at 9:10 AM
Wolfram
Nikolaus Brender, den Namen muss man nicht kürzlich erst gehört haben oder sofort wissen, wer das ist. Der Mann ist Chefredakteur beim ZDF und hat derzeit ein ziemlich großes Problem.
Das Problem heißt Roland Koch, und den kennt man, das ist der Ministerpräsident von Hessen.
Herr Brender, der seit Jahren kritischen, überparteilichen, informativen Journalismus betreibt und unterstützt, ist dem Herrn Koch nämlich zu unbequem geworden, und deshalb will Koch verhindern, dass Brenders Vertrag beim ZDF verlängert wird.
Und das müssen wiederum wir verhindern.
Denn wo kämen wir denn da hin, wenn die Politiker kontrollieren, wer an zentraler Stelle die Berichterstattung über sie leitet?
Antwort: Nach Italien. Da ist es zwar schön warm, aber das Wort Pressefreiheit ist dort auch längst nur noch ein Wort.
Protestieren ist in diesem Fall quasi Bürgerpflicht und geht auch ganz einfach:
Folgt diesem Link:
http://www.campact.de/eil/home
Lest Euch die 5-Minuten-Info durch, da ist alles noch genauer beschrieben.
Tragt Euch in die Liste ein, und tut das vor allem schnell, denn Stichtag ist schon der kommende Freitag.
Irgendjemand muss das Grundgesetz doch schützen (Artikel Fünf: Rundfunkfreiheit!). Wenn die Politiker es nicht tun, dann eben wir.

Tags:

Ich bin dann mal weg.

  • Nov. 24th, 2009 at 5:06 PM
Wolfram
Nur zur allgemeinen Kenntnisnahme.
Wenn die Textehexe in der Vorweihnachtszeit plötzlich und spurlos verschwindet, dann schaut mal in der Grundschule des Textehexenzwergs nach. Der brachte heute folgende Ankündigung mit nach Hause:
"... Jedes Kind soll ein kleines Wichtelgeschenk, schön verpackt, mit in die Schule bringen. Bitte so bald wie möglich, denn wir hängen Sie gleich in der Schule auf."

Also: ich geh' mich dann mal aufhängen.

Familienidyll

  • Nov. 24th, 2009 at 8:59 AM
Wolfram
Sindri: Ich liege vorne!
Autorin: Ja, das wissen wir.
Sindri: Immer noch. La-la la. Ich liege immer noch vorne.
Krona: Na und?
Sindri: Nur kein Neid.
Krona: Wer sagt denn was von Neid. Mir ist das wurscht wie nix zweites, wer auf dem blöden Umschlagbild ist. Wegen mir hätte man die blöde Abstimmung gar nicht machen müssen.
Autorin: Ich fand aber die Idee nett. Und der Provider bietet dieses nette Feature an. Man kann es auf Knopfdruck einrichten, quasi.
Krona: Huh?
Autorin: Egal. Wolfram, wen möchtest du denn auf dem neuen Umschlagbild haben?
Wolfram: Hm. Also... ich bin mir sicher, so oder so wird es eine Augenweide sein.
Krona: Das Huhn. Gib's zu. Du willst das Huhn. In ganz groß.
W: Quatsch.
S: Dann sag schon, dass du mich willst.
W: Ich habe zu keinem Zeitpunkt unserer gemeinsamen Geschichte zu dir "Ich will dich" gesagt, und was ist passiert? Ich habe dich trotzdem.
S: Aber es wäre doch so romantisch. (Grinst.)
W: Uh. Lieber lasse ich mich zwischen zwei Buchdeckeln zermalmen.
Autorin: Streitet euch nicht. Es kommt auch bei Büchern immer auf die inneren Werte an.
Alle: Wir streiten nicht.
Autorin: Ach so.
Sindri: Innere Werte lassen sich so viel besser verkaufen, wenn sie ansprechend verpackt sind.
Autorin: Da ist was dran.
Sindri: Ich überlege gerade, ob ich nicht nach meinem haushohen Sieg bescheiden zurücktreten und die Dame auf das Bild lassen soll.
Wolfram: Bescheiden, ja? Genau.
S: Natürlich wäre ihre Garderobe mit Bedacht zu wählen. Ich denke da an so ein hartledernes - Dingens - so ein - es ist wirklich kein Brustharnisch, eher so - zwei hübsche kleine hartlederne Schälchen, die sie so über ihre Äpfelchen stülpt, und das setzt sich so miederartig nach unten fort, aber nicht zu weit, und unten dann so ein schicker Lendenschurz. Und Stiefel. Stiefel sind wichtig.
W: Und wie soll das an ihr halten, bitteschön?
S: Ist doch egal. Magie. Oder ich halte es. (Grinst breit.)
K: Wenn ihr nicht sofort damit aufhört, geb ich euch was auf eure Äpfelchen.
S: Dann findest du unseren Vorschlag also nicht gut?
W: UNSEREN?!
K: Kannst du abknicken. Und guck nicht so viel Xena, das ist nicht gut für dich.
S: Xena ist großartig. Die solltest du dir zum Beispiel nehmen.
K: Örks.
W: Manchmal finde ich euch ein bisschen anstrengend.
S: Das liegt an deinen schwachen Nerven, mein Guter.
W: Ach so. Ja, danke.
S: Also keine Äpfelchen-Schälchen und Lendenschürze?
W: Schurze.
S: Schnurz.
K: Nein.
W: Schnurze?
Autorin: Euch ist klar, dass euch via Weblog Millionen von Menschen, vielleicht sogar Tausende, wenn nicht Hunderte, zuhören?
W: Man kann nicht immer Text für die Ewigkeit von sich geben. Nicht mal als Spielmann.
S: Na gut. Wenn Krona sich nicht auszieht, dann will ich auf das Umschlagbild.
W: Genau. In der Vollplatte aus dem Schlusskapitel. Mit Topfhelm und geschlossenem Visier. Wäre das nicht ritterlich? (Vollplatte = Ritterrüstung, Anm. d. Autorin)
S: Es wäre Verschwendung.
K: Stattdessen lieber das hübsche Gauklerkostüm. Pluderhosen, blaues Jäckchen mit nix drunter... das nenne ich äußere Werte, mein Lieber.
A: Könnt ihr mal warten, wer's wird, ehe ihr euch überlegt, was ihr anzieht?
W: Ich wüsste lieber, wie das Werk heißen soll.
Autorin: Ja, ich auch.
W: Du machst es spannend, oder? Du bist die Frau, die noch Wochen vor der Geburt ihres Sohnes davon ausging, er würde vorerst, He, du da! heißen.
A: So schlimm war's nicht. Mir wird schon noch was einfallen.
W: Aber wann?
A: Setz mich nicht unter Druck!
S: Du steckst einfach den Kopf unter Wasser und bleibst dort, bis dir was eingefallen ist.
A: Danke für den Tip.
S: Und jetzt mach mal Platz am Komm-Pjuter. Ich muss sehen, ob ich immer noch vorne liege.
K: Weißt du, Süßer, es kann ja sein, dass du vorne liegst, aber eigentlich kommt's ja mehr drauf an, wer oben liegt, oder?
W: Wo bin ich hier nur wieder...
A: Reingeraten. Genau.

Vollmond mal anders...

  • Nov. 20th, 2009 at 8:04 PM
Wolfram
Wie könnte man sich die Zeit vertreiben, während man auf den Vollmond wartet? Zum Beispiel so:
http://jayisgames.com/cgdc6/?gameID=4
Gefunden auf www.bestatterweblog.de

Mal wieder was Neues

  • Nov. 20th, 2009 at 7:06 PM
Wolfram
Besucht doch mal die Spielmanns-Seite auf www. spielmannslied.de. Gibt Neuigkeiten!

Der Nächste bitte...

  • Nov. 7th, 2009 at 8:52 AM
Wolfram
So. Die Fliegenden Fische sind an die liebenswürdigen Beta-Leser/innen ausgeflogen. Hab ich jemanden vergessen? Ich hab immer noch manchmal Schwierigkeiten, alle Leser/innen mit den verschiedenen Namen (Email, LJ, Fanfiction-Portale, um nur die üblichen Verdächtigen zu nennen) zuzuordnen. Also, falls jemand noch auf eine Mail wartet, bitte melden.
Ohne Atempause werde ich mich jetzt in die Fertigstellung des zweiten Spielmannes stürzen, viel fehlt da ja nicht mehr, der größte "Happen" wird die Überarbeitung sein. Die Geschichte hat ein ziemlich kniffliges Timing, und ich glaube irgendwie, da steckt noch der Wurm drin.
Der Abschied von den Jungs fällt immer noch schwer, auch wenn ich mich gleichzeitig wieder auf Wolfram und seine launige Geschichtenerzählerart freue.
Ihr könnt übrigens mal suchen. Ich habe in den Fliegenden Fischen einen kleinen Wolfram versteckt; findet ihr ihn? :o)
Gestern auf einer Autofahrt (die häufen sich im Augenblick) habe ich dann schon über das Nachfolgeprojekt gegrübelt. Über den zweiten Spielmann gibt es ja gerade nicht so viel zu grübeln, Plot und Hauptkonflikt sind nicht nur schon längst ausgedacht, sondern auch schon mehrheitlich geschrieben, und um über Detailfragen zu grübeln, muss ich es erst mal wieder komplett durchlesen. Aber Leerlauf verträgt mein Hirn irgendwie gar nicht, und so habe ich mich dabei ertappt, über John Moon nachzudenken. Ja, schon wieder ein Wolf, meine Güte. Wann bin ich bloß mit diesem Thema durch. Aber allein der Name - John Moon, John Moon, JOHN MOON - ist so schön, triggert mich dermaßen, dass ich unbedingt eine Geschichte über ihn schreiben muss. John Moon, der Werwolf, und eine Sippe von Vampiren, und ein Konflikt mit einer anderen Vampirsippe. Und dazwischen bzw. mittendrin Emilia, die als Figur ja auch noch darauf wartet, außerhalb von Fanfiction zum Einsatz zu kommen. Bei ihr würde es ja tatsächlich auch gut funktionieren, denn die FF-Emilia lebt zwar im Harry-Potter-Universum, ist damit aber nur lose verknüpft (man erinnert sich, Muggeleltern, Muggelhintergrund...). Sie kann also ohne Verluste umziehen.
Das Resultat wäre sozusagen ein Kontrastprogramm zu Twilight: Erwachsene Charaktere (Emilia als Jüngste Mitte / Ende 20, beim Abschluss ihrer Uni-Magisterarbeit), eine toughe Frau, der Werwolf als romantisches Element, nicht der Vampir, echte Action, in der auch echtes Blut fließt, und auch mal echt unangenehme Situationen (ich denke da an etwas, wo Vampire und Werwölfe um Emilia herumstehen, und der Chef-Vampir sagt: "Also, einer von uns muss sie jetzt beißen. Emilia, was hättest du lieber, Ewiges Leben oder Haare auf dem Rücken?"
Geht man davon aus, dass die Story so um Ende 2010 / Anfang 2011 fertig wäre, mit ein paar Monaten Spielraum, wäre das Timing nicht schlecht. Bis dahin ist vermutlich der dritte Twilight-Film im Kino, und Harry Potter Teil Sieben auch irgendwo in der Gegend unterwegs. Die Mystery / Fantasy-Welle wäre also noch nicht komplett wieder abgeflacht...
Im Augenblick denke ich aber hauptsächlich über solche Sachen nach, damit es sich nicht so LEER anfühlt.
Seufz.

Wow.

  • Oct. 24th, 2009 at 10:24 PM
Wolfram
Gerade bin ich mit den Fliegenden Fischen fertig geworden.
Es ist immer wieder ein unglaubliches Gefühl, den letzten Satz zu schreiben. Unglaublich, weil: glücklich und unglücklich und erleichtert und ungläubig zugleich.
Ein letzter Satz ist auch immer ein Abschied von einem Lebensabschnitt.
Natürlich, man kann noch eine Weile darin leben, man kann (muss) Korrektur lesen, letzte Veränderungen vornehmen, sich über die Vermarktung Gedanken machen... aber alles davon ist Abschied.
Und Scheiden tut weh.
Ich hatte Augenblicke, in den harten Arbeitsphasen der letzten Wochen, in denen mir meine Teenager mit ihren Teenagerproblemen schon fast auf die Nerven gingen. Ich dachte, ich wäre erleichtert, mich dann wieder dem vergleichsweise gereiften Spielmann zuwenden zu dürfen.
Keine Frage, ich freue mich auf den Spielmann. Aber gerade im Augenblick fühle ich mich leer und traurig und würde gerne wieder mittendrin stecken.
Man mag sich erinnern: für die Fliegenden Fische habe ich zwei Anläufe gebraucht. Ehrlich, ich habe noch nie, NOCH NIE, so hart an einem Stoff gearbeitet, so oft Konzepte ausprobiert und wieder verworfen, so oft von vorne angefangen. Es gab Zeiten, da konnten die Jungs sich nicht mal einigen, ob sie nun auf die gleiche Schule gehen oder nicht. Hat mich das Nerven gekostet! Aus dem Plan, die erste Version umzuarbeiten, ist schließlich ein komplett neuer Roman entstanden, in dem nur noch Augenblicke an die erste Version erinnern.
(Keine Sorge, das Bonbon für die Potterfans ist erhalten geblieben, und es ist sogar ein zweites dazu gekommen.)
Aber jetzt sind sie flügge geworden, die Fliegenden Fische, und es ist Zeit, dass sie das Nest verlassen.
Und alles, was mir bleibt, ist loszulassen und ihnen Glück zu wünschen.
Schwimmt nicht so weit raus, Jungs.
PS: Gibt es freiwillige Korrekturleser/innen? Bevorzugt bewandert in Rechtschreibung (Hallo, Joeli?) und / oder jugendlichen Alters, für den "Zielgruppentest"? In ein paar Tagen habe ich vermutlich meinen ersten Korrekturgang abgeschlossen, ein paar kleinere Timing-Details angepasst und wäre dann bereit, das Skript per Mail an engagierte Vertrauenspersonen zu verschicken.
Wenn Ihr lesen wollt, schreibt mir eine Mail (textehexe ät web Punkt de), oder hinterlasst einen Kommentar.
Ich würde mich freuen.

Haustiere 3

  • Oct. 14th, 2009 at 9:54 AM
Wolfram
Ich bin krank geschrieben und allein daheim.
Kind ist in der Schule, und ich müsste arbeiten. Dringend. Die Fische fertig schreiben, oder Dinge für die Schule erledigen.
Und was tu ich?
Ich meine, wie oft kann einem so etwas "rausrutschen"?

---

 

„Wir werden fünfzig, dieses Jahr“, sagt Remus und zieht sich seine Strickjacke fester um die Schultern. „Kannst du es glauben?“

„Du wirst fünfzig“, sagt Sirius. „Ich nicht. Ich erst nächstes Jahr.“

„Dreizehnter Januar. Das macht wirklich keinen großen Unterschied.“

Sirius streckt die langen Beine von sich und lehnt seine Schulter gegen Remus’. Wäre er nicht gerade zum drölften Mal dabei, sich das Rauchen abzugewöhnen, er würde sich eine entspannte Kippe anstecken. Er dreht sich eine Haarsträhne um den Finger und lutscht an dem weichen, pinselartigen Ende.

„Kannst du dich erinnern, als wir beide zusammen fünfzig wurden?“, fragt Remus. „In der Summe. Was war das für eine Party.“

Sirius denkt, dass es eine seiner Besonderheiten ist: sich mit den Jahren immer besser erinnern zu können, nicht schlechter. Immer mehr Erinnerungen tauchen aus dem Nebel auf und lassen sich verknüpfen.

Es ist, als würde man ein Buch rückwärts lesen.

„Wir könnten wieder eine solche Party schmeißen“, sagt Sirius. „Nur doppelt so gut. Immerhin werden wir hundert, in der Summe.“

„Eine therapeutische Party“, sagt Remus. „Eine Sieh-der-Wahrheit-ins-Auge-wir-werden-alle-nicht-jünger-Party.“

„Stützstrümpfe gratis für alle“, sagt Sirius, und Remus verzieht das Gesicht.

„Wärmekissen. Kräutertee, und Gelenksalbe.“

„Und als Höhepunkt des Abends hexe ich den Rollstuhl des ältesten Gastes, dass er fliegt.“

„Nicht übertreiben, Pads. Wenn wir unser gesamtes Pulver jetzt schon verschießen, was machen wir dann bei der Party zu unserem Zweihundertsten, in der Summe?“

„Ich weiß nicht. Auf den Gräbern unserer Gäste tanzen? Knochen ausgraben, vielleicht.“

„Pfui, Padfoot. Aus.“

„Es ist nicht meine Schuld, dass unsere Gespräche immer so abdriften.“

„Und hör auf, auf deinen Haaren zu kauen! Das ist ja eklig.“

„Wieso?“ Sirius betrachtet seine Haare. „Sind frisch gewaschen.“

„Das Geräusch!“

„Oh.“

Sirius lässt seine Haare fallen. Remus streckt die Beine von sich, sein Blick verliert sich über dem Waldrand. Der Himmel ist durchsichtig und dunkelblau; die ersten Sterne schimmern darin wie Vorboten eines größeren Leuchtens.

„Laut Statistik müsste ich schon tot sein“, sagt Remus. „Oder schleunigst sterben. Das durchschnittliche Höchstalter von Werwölfen liegt irgendwo bei Ende Vierzig.“

„Daran sieht man, dass die meisten Leute ihre Werwölfe falsch halten“, sagt Sirius. „Bei guter Pflege können die nämlich viel älter werden.“

Remus seufzt lautlos, und Sirius legt ihm einen Arm um die schmalen Schultern und zieht ihn an sich. Nach all den Jahren ist es immer noch schwer vorherzusehen, ob Remus ihn gewähren lässt oder sich elegant wie ein Nebelhauch seinem Zugriff entzieht.

Der Moonyblues hilft meistens.

„Findest du nicht manchmal den Gedanken unerträglich, wie viel Zeit wir verloren haben?“, sagt Remus und lehnt sich ein bisschen gegen Sirius. „Andere sind mit Mitte Dreißig da, wo wir jetzt sind. Und wir können es nicht aufholen. Wie bei einer Schachpartie. Du hast ganz am Anfang einen Läufer verloren, und du weißt, du kannst noch fertig spielen, aber gewinnen wirst du nicht mehr.“

Sirius drückt einen Kuss in Remus’ silbriges Haar, und Remus murmelt „Lass das“ aus alter Gewohnheit.

„Ich glaube, das Leben ist kein Spiel, bei dem irgendwer gewinnt“, sagt Sirius. „Es geht nicht darum, zu gewinnen. Es geht darum, dass man es spielt.“

„Schwarzer Mann spricht kluge Worte“, seufzt Remus. „Weißer Mann trotzdem traurig.“

„Das geht vorbei“, sagt Sirius. „Du hast zu viel Zeit, nachzudenken. Vielleicht solltest du dir einen Hund anschaffen.“

„Ich will keinen Hund.“ Remus macht eine Pause. „Ich hätte lieber noch ein Kind.“

„Tatsächlich?“

„Ja. Jerome ist schon so groß. Hast du ihn kürzlich mal gesehen, wenn er mit seinem Schulranzen zum Bus wandert? Er ist ein – ein – Schulkind. Er wird mich überragen, ehe ich mich versehe, und anfangen, Mädchen mit nach Hause zu bringen.“

„Du kannst aber nicht jedes Mal ein neues Kind haben, wenn das alte zu groß geworden ist.“

„Nicht jedes Mal – aber diesmal noch.“

„Ich kann dir meines leihen, wenn es da ist.“

Remus lächelt müde.

„Das ist lieb von dir. Und es wird bestimmt ein zauberhaftes Kind sein, und ich werde es irrsinnig lieben, aber es wird dein Kind sein. Euer Kind. Nicht unseres.“

„Hm. Na ja… ich schätze, du solltest das Thema mit Emilia besprechen, nicht mit mir.“

„Ist man mit fünfzig zu alt für ein Kind? Stell dir vor, ich hole das Kind im Kindergarten ab, und seine Freunde sagen, he, Claire, ist das dein Opa?“

„Du hast ja schon einen Namen für das Kind!“

„Das ist nicht der Punkt!“

„Nachdem ich, wie du so zartfühlend betont hast, ebenfalls fast fünfzig sein werde, wenn mein erstes Kind kommt, kann ich wohl kaum der Meinung sein, dass fünfzig zu alt für ein zweites ist, oder?“

Remus seufzt, und Sirius grinst.

„Ein Glück, dass wir uns beide jüngere Frauen gesucht haben.“

„Ich weiß nicht, ob sie noch eines will“, sagt Remus. „Wir haben so viel um die Ohren. Jerome, das Cafe, das alte Haus…“

„… mich…“

„… dich… den Wolf…“

„Moony“, sagt Sirius. „Sie will einen Hund. Wenn sie Zeit für einen Hund hat, hat sie auch Zeit für ein Kind, oder nicht?“

„Ich weiß nicht, ob man das vergleichen kann. Obwohl… wenn ich’s bedenke…“

Seitenblick.

„Irgendwie schon.“

„Ich bemerke es, wenn du Witze auf meine Kosten reißt, Moony.“

„Ich weiß.“

„Ich habe übrigens auch bemerkt, dass jemand mein Motorrad verhext hat.“

„Ach? Tatsächlich? Was macht es denn?“

„Es furzt, wenn ich mich drauf setze. Und wenn ich mich nicht irre, furzt es God save the Queen.“

„Nein, so etwas. Skandalös.“

„Finde ich auch, Mister Moony.“

Remus’ Schultern beben vor unterdrücktem Gelächter.

„Du solltest dir das mit dem Kind gut überlegen“, sagt Sirius. „Ich finde, du bist viel zu unreif für diese Verantwortung. Schaff dir lieber erst mal einen Hund an, dann kannst du üben.“



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Haustiere 2

  • Oct. 14th, 2009 at 8:31 AM
Wolfram

 

„Aus meiner pädagogischen Sicht finde ich es nur von Vorteil, wenn Kinder mit Tieren aufwachsen“, sagt Emilia. „Wie siehst du das, so als Pädagoge?“

„So als Pädagoge sehe ich, dass offenbar alle um mich herum übergeschnappt sind“, brummt Remus und stellt die letzten Stühle hoch, damit der bezauberte Putzlappen ungestört wischen kann. Draußen wird es schon dunkel, es ist Herbst. Sirius hat das Türschild von „Yes, we’re open“ auf „Sorry, we’re closed“ gedreht und kommt durch den leeren Gastraum des Moon’s, Hände in den Hosentaschen, auffällig desinteressiert an dem, was gesprochen wird.

„Selbst in Hogwarts sind Tiere erlaubt“, sagt Emilia. „Und ich finde das ein hervorragendes Konzept. Die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen.“

„Jerome bekommt seine eigene Posteule, wenn er eingeschult wird“, sagt Remus. „Falls er bis dahin nicht lieber einen tragbaren Internetzugang haben will.“

„Er will aber keine Posteule“, sagt Sirius und bringt ein paar letzte, vergessene Tassen zur Spüle. „Er will einen Hund. Komm schon, Moony. Willst du dein Kind nicht glücklich machen?“

„Mein Kind ist glücklich. Es hat nur einen Haufen Flausen im Kopf, und ich gedenke nicht, das zu unterstützen!“

„Das sind keine Flausen, Moony. Alle Kinder wünschen sich Tiere. Kinder und Tiere gehören zusammen. Hast du dir kein Tier gewünscht, als du sechs Jahre alt warst?“

„Doch, und rate, was ich bekommen habe!“

„Okay“, sagt Sirius. „Schlechtes Beispiel. Aber ich hatte ein Pony, als ich ungefähr so alt war… hm, ich glaube, Jerome würde sich bestimmt auch über ein Pony freuen.“

„Bestimmt, und wie wäre es noch mit einer Giraffe?“

„Giraffe wäre auch gut“, sagt Emilia ungerührt. „Die könnte dann das alte Laub aus der Regenrinne fressen, damit uns die nicht immer verstopft.“

„Ihr habt sie doch nicht alle“, sagt Remus erschöpft. „Ihr habt euch gegen mich verschworen.“

„Es ist nur zu deinem Besten“, sagt Sirius sanft.

„Ich will kein Tier“, sagt Remus weinerlich. „Ich hasse Tiere. Warum kann er sich keine Playstation wünschen, wie jedes normale Kind?“

„In dieser Familie ist niemand normal“, sagt Emilia achselzuckend.

„Ich will keinen zweiten Hund!“

„Du wirst einen Ersatz für mich brauchen“, sagt Sirius. „Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich noch haben werde, im Hund rumzuhängen, wenn das Baby erst mal da ist.“

„Wenn es erst mal eine Nacht lang gleichzeitig gekotzt, geschissen und gebrüllt hat, wirst du in den Hund gehen und gar nicht mehr rauskommen“, prophezeit Emilia, und Sirius zieht ein Gesicht.

„Immer an das Gute im Menschen glauben, was, Lila?“

„Ersatz für dich“, murrt Remus. „Ich dachte, ich hätte schon alle bekloppten Ideen gehört, aber die ist tatsächlich noch eine Spur bekloppter.“

„Ich liebe dich auch, Moony.“

Remus lässt sich auf einen Barhocker sinken und stützt das Kinn auf die Arme. Er weiß, wann eine Schlacht verloren ist. Er hat schon genug Schlachten verloren gegen seine Frau und seinen besten Freund.

Ein bisschen Zeit ist alles, was er noch zu gewinnen hat.

„Ich lasse mir die Sache mal durch den Kopf gehen.“

Er weiß, ohne es zu sehen, dass Emilia und Sirius hinter seinem Rücken mit flachen Händen ihren Erfolg abklatschen.

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Alte Freunde

  • Oct. 13th, 2009 at 12:45 PM
Wolfram
In letzter Zeit treffe ich immer mal wieder auf Bücher, Musik oder Filme, die mich zu anderen Zeiten in meinem Leben sehr berührt oder geprägt haben. Ich weiß gar nicht, warum sie mir überhaupt abhanden kamen: vielleicht ist es wie mit Freunden, die man aus den Augen verliert, ohne es wirklich zu wollen. Vielleicht hatten diese Eindrücke (Bücher, Musik, Filme, und die Gefühle, die sie transportierten) auch irgendwann ihren Zweck erfüllt und waren nicht mehr so wichtig. Doch die Zeit ist ja manchmal auch nur ein träger Tümpel, und so werden gelegentlich Dinge umgewälzt und an den Rand gespült, die schon versunken waren.
Über einen Film, den ich nach ziemlich genau zwanzig Jahren wieder, und ganz anders als früher, gesehen habe, werde ich heute Abend noch berichten (wenn die Zeit mir Zeit lässt). Einstweilen bin ich aber zufällig bei Youtube über dieses Lied gestolpert:
http://www.youtube.com/watch?v=Dt0sXRBLfJM
Ein "Wiederhören" nach ungefähr fünfzehn Jahren. Ein Teil des "Soundtracks" zu meinem ersten, aller-ersten Roman. (Damals noch auf Musik-Kassette!) Und es greift mir immer noch genauso ans Herz wie damals.

Haustiere

  • Oct. 12th, 2009 at 9:41 AM
Wolfram

Entschuldigung.
Das Folgende ist mir so rausgerutscht.

„Ich will einen Hund“, sagt Jerome.

Remus sieht von seiner Zeitung auf.

„Das ist nicht dein Ernst“, sagt er.

„Doch“, sagt Jerome. „Ich bin jetzt schon groß. Ich bin ein Schulkind! Da kann ich einen Hund haben.“

„Du kannst ein neues Fahrrad haben“, sagt Remus und faltet sich die Zeitung zurecht. „Wir können mal sehen, wo wir ein günstiges bekommen.“

„Ich will kein neues Fahrrad“, sagt Jerome finster. „Ich will einen Hund!“

„Das kommt überhaupt nicht in Frage!“

„Warum nicht?“

„Weil es genug Caniden in diesem Haushalt gibt und wir beileibe keinen dritten brauchen, darum!“

„Was ist ein Kaniden?“

„Hund. Hundeartige.“

„Du bist aber kein Hund. Du bist ja meistens nicht mal ein Wolf!“

„Und das ist auch gut so! Jerome, geh mir nicht auf die Nerven. Wir schaffen keinen Hund an. Wir haben einen Hund.“

„Paddy ist nur ein halber Hund. Außerdem ist er dein halber Hund, nicht mein halber Hund. Ich will auch einen Hund, so wie Lars aus der Schule. Einen australischen Hütehund!“

„Lars aus der Schule hat daheim einen Bauernhof. Was sollte denn ein Hütehund bei uns hüten?“

„Wir kaufen ein paar Schafe dazu, die kann er dann hüten.“

Remus lässt die Zeitung sinken.

„Nein“, sagt er. „Kein Hund! Keine Schafe! Und bevor du fragst, auch keine Kühe oder Hühner oder Ziegen oder Kaninchen! Über ein Aquarium würde ich vielleicht mit mir reden lassen.“

„Ich will kein Aquarium“, trotzt Jerome. „Fische sind doof.“

„Dann nicht“, sagt Remus. „Und jetzt lass mich bitte meine Zeitung lesen. Geh raus und spiel mit meinem halben Hund.“

Fünf Minuten später.

„Moony?“, sagt Sirius. „Ich will einen Hund.“

Tags:

Tigerente statt Tomate-Mozzarella

  • Sep. 28th, 2009 at 9:01 AM
Wolfram
Die gestrige Wahlbeteiligung von um die 72 % ist die schlechteste, die es je bei einer Bundestagswahl gegeben hat. Das bedeutet nicht nur, dass einfach nicht genug Leute dieses Blog lesen, sondern vor allem, dass immer weniger Leute glauben, dieser Staat würde sie etwas angehen. Das muss ich kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen.
Das Wahlergebnis sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, und auch, dass wir die nächsten Jahre mit Schwarz-Gelb verbringen werden (die Koalitionsfarben meiner gesamten Kindheit; als Kind war ich der Meinung, dass "Zedeuze-esuefdepe" echt ein blöder Name für eine Partei ist). Ob mir das Gefällt oder nicht, will ich an dieser Stelle gar nicht kommentieren. Ich will aber einfach mal punktuell festhalten, welches die Ziele der beiden Parteien sind, die sie im Wahlkampf dem Wählervolk erfolgreich schmackhaft machten. Nur damit wir in zwei, drei Jahren mal vergleichen können.
Quellen: Parteiprogramme, die Hintergrundberichte bei Wahlomat und Netzeitung.
Thema Steuerentlastungen:
CDU: kleinere Änderungen (Eingangssteuersatz von 14 auf 12, Schwelle zum Höchststeuersatz erhöhen)
FDP: Komplett-Umbau des Steuersystems (Vereinfachung)
Thema Arbeitsmarkt:
CDU: Mindestlohn abschaffen; Mindesteinkommen gewähren (Aufstocken mit staatlichen Leistungen)
FDP: alle steuerfinanzierten Sozialleistungen in einem "Bürgergeld" zusammenfassen (622 Euro); Mindestlohn abschaffen
Energie:
Beide: keine neuen Atomkraftwerke bauen, die alten aber weiter betreiben. Förderung alternativer Energien.
Gesundheit:
FDP: Gesundheitsfonds abschaffen
Bildung:
CDU: Deutschland zu einer "Bildungsrepublik" machen. Betreuungsgeld für die Eltern, die ihre Kinder zu Hause behalten. Dreigliedriges Schulsystem beibehalten.
FDP: Studiengebühren beibehalten; Angebot von Studiendarlehen, die während der folgenden Berufslaufbahn zurück gezahlt werden müssen. Gesetzlicher Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder; "Betreuungsgutscheine" einführen, anstelle von Betreuungsgeld. Dreigliedriges Schulsystem beibehalten.
Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften, z.B. beim Steuerrecht oder bei der Adoption von Kindern:
FDP: Ja
CDU: Nein
Da bin ich doch mal sehr gespannt, wie viele wirklich leistungsfähige alternative Energiekonzepte wir in vier Jahren zu bestaunen haben; wie wunderbar es sich in finanziell prima ausgestatteten Schulen unterrichten lässt, und wie viele glückliche, erfolgreiche Studenten sich keinen Deut um die fünfstellige Schuldensumme scheren, die sie im Nacken drückt. Außerdem freue ich mich auf all die Arbeitsplätze, die in der Kinder-Ganztagesbetreuung entstehen, und darauf, wie viele Mütter nun wieder erfüllt und vom Druck der Doppelbelastung befreit ihrem Job nachgehen können. Auf die tollen Eliten, die in diesem Bildungssystem entstehen, und die bestimmt über die paar Arbeitslose hinweg trösten, die jede Woche bei den "Tafeln" anstehen, um nicht zu verhungern.
(Es ist bezeichnend, dass aus den "Tafeln" in den letzten Jahren regelrecht ein Industriezweig wurde. Der Bedarf ist seit Hartz Vier fast nicht zu decken.)
Habe ich da etwas wie eine politische Meinung von mir gegeben? Oh, ich bitte um Entschuldigung.
Die Aufstellung der politischen Ziele oben ist aber neutral, ich versprech's.




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Geht wählen!

  • Sep. 26th, 2009 at 9:37 PM
Wolfram
Meine Lieben, ich hoffe ja sehr, dass dieser Aufruf "für die Füß" ist, weil ihr sowieso alle mündige und verantwortungsvolle Bürger seid, aber nochmal Klartext an dieser Stelle:
Ich will am Montag in diesem Blog niemanden von Euch sehen, der volljährig ist und am Sonntag nicht wählen war!
Wählt die Merkel, wenn's sein muss, den Steinmeier mit der schicken Brille oder auch Guido, wenn Euch Arbeitnehmerrechte nicht so wichtig sind, wählt die Piraten oder die Rentnerpartei, aber geht wählen!
Erstens, weil Ihr Euch nur dann danach über Dinge beklagen dürft, die Eurer Meinung nach schief laufen.
Zweitens, weil Ihr, wenn Ihr nicht zur Wahl geht, indirekt die extremen / extremistischen Parteien stützt, nennen wir sie beim Namen: vor allem die NPD. Die mobilisiert nämlich ihre Anhänger. Die gehen alle zur Wahl, vermutlich sogar im Gleichschritt.
Drittens, weil es ein Geschenk des Zufalls ist, in einem Land zu leben, das demokratische und freie Wahlen veranstaltet. Wir könnten alle genauso in Afghanistan leben, wo man ganz froh sein kann, beim Wählen nicht in die Luft gesprengt zu werden. Oder im Iran, wo man so lange auszählt, bis das religiöse Oberhaupt qua göttlicher Eingebung bestimmt, wer gewonnen hat. Oder in den USA, wo so etwas gelegentlich ganz ohne Allahs Zutun geschieht. Oder auch in Ländern, wo gar nicht demokratisch gewählt wird, zum Beispiel in Nordkorea.
Oder auch in der ehemaligen DDR. Knapp 60.000 Menschen haben teils unter abenteuerlichsten Umständen das Land verlassen, das sie als akuten Freiheitsentzug empfinden mussten. Knapp 1000 sind beim Versuch an der Grenze gestorben.
Und wir, die wir das Wahlrecht quasi auf dem Silbertablett dargeboten bekommen, wollen daheim bleiben, "weil Politik uns nichts angeht"? "Weil wir eh nicht wissen, was wir wählen sollen"? "Weil die Politiker doch eh alle lügen"?
Das kann doch wohl wirklich ernsthaft keiner von sich behaupten.
Wer heute noch nicht weiß, wo er morgen sein Kreuzchen machen soll, kann sich hier eine Entwcheidungshilfe holen: www. wahl-o-mat.de
Hier kann man anhand zahlreicher Kernpositionen die eigene Meinung mit verschiedenen Parteien abgleichen und so heraus finden, welche Partei einen am besten vertritt.
Wer es dann morgen immer noch nicht weiß, macht sein Kreuzchen bitte einfach irgendwo, außer am ganz rechten Rand. Wählen ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht. Und geht dann heim, um sich während der nächsten vier Jahre besser auf die nächste Bundestagswahl vorzubereiten.
Meine Redezeit ist hiermit beendet, und ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Die Fische fliegen heute tief

  • Aug. 28th, 2009 at 11:04 AM
Wolfram

Hier kommt die Leseprobe. Nach vielem Hin und Her (und Hilfe vom Elysium...) hat es schließlich doch funktioniert, den Text hinter einem Cut zu verstecken.
"Lily" wird später noch ersetzt durch "Lilli". Ich war einfach damit überfordert, mich umzugewöhnen. Am Ende des Textes wird das die "Alle ersetzen"-Funktion meiner Textverarbeitung für mich regeln.
Lilli gibt es übrigens schon seit etwa 1995 - sie ist die große Schwester des Protagonisten meines allerersten Romans.
Und ehe ich noch mehr Genitivattribute aneinanderhänge, lest bitte hier.
 

Read more... )

</lj-cut>

Aug. 28th, 2009

  • 10:41 AM
Wolfram
Gerüchte über mein vorzeitiges Ableben sind stark übertrieben. Ich bin nicht abgelebt (obwohl der frühmorgendliche Blick in den Spiegel manchmal etwas anderes behauptet), ich bin nur abgetaucht.
In Bayern herrscht ja noch der paradiesische Zustand der Sommerferien (ehe mir Neidgequengel kommt: die Bayern, das sind die, die noch in stickigen Klassenzimmern schwitzten, als in Villa Bacho schon längst gefeiert wurde). Und diese Sommerferien sind das Zeitfenster, in dem ich die "Reloaded"-Version der Fliegenden Fische fertig bekommen will: oder so gut wie, oder zumindest größtenteils. Ich bin also, wenn ich nicht gerade familiären Verpflichtungen nachgehe, überwiegend von virtuellen Menschen umgeben. Was gelegentlich dazu führt, dass ich die echten dahinter vergesse.
Ist aber auch so, dass in der virtuellen Welt deutlich spannendere Sachen passieren als in der echten. Oder wen interessiert es schon (außer mir), dass irgend so ein grenzdebiler Vollpfosten mir aus Jux und Dollerei die Antenne vom Auto abgebrochen / abgeschraubt hat? (Diagnose läuft noch). Oder, dass ich so nebenbei dabei bin, die zweite Hälfte der Spielmanns-Saison zu planen? Außer mir, und eventuell LeserInnen aus dem Kreis Grafenwöhr, wo ich im Herbst zu Gast bin? (Nein, da gibt es nicht nur einen Truppenübungsplatz.)
Aktuell versuche ich außerdem, wenn möglich nicht krank zu werden. Halsschmerzen hab ich schon, und das, was meine Nase macht, ist auf Allergie wohl auch nicht zurück zu führen, mangels Pollen. Man wird sehen.
Neu ist außerdem nur noch mein Entschluss, dass so auf Dauer ohne Mann im Haus auch nix ist. Daher:



Und für alle, die sich mal amüsieren wollen, gibt es hier einen sehr aufschlussreichen Artikel über die sogenannten Zuschussverlage. Heute morgen gefunden.
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,645279,00.html
Viel Vergnügen.
Sobald ich nachgelesen habe, wie das mit dem LJ-Shortcut geht, gebe ich Euch mal ein Lesepröbchen aus den neuen Fliegenden Fischen.

Zeit für Fanfiction II

  • Jul. 28th, 2009 at 8:54 PM
Wolfram
Der meinerseitige Meinungsbildungsprozess ist abgeschlossen, mit anderen Worten: ich habe da eine Idee... Ich würde vielleicht nicht sagen, eine schöne Idee, es lässt sich nicht besonders romantisch an, aber ich glaube, man kann aus dieser Idee eine gute Geschichte machen.
Lasst Euch überraschen. Die Tendenz Eurer Interessen ging ja zu einer Schulzeit-Geschichte, und eine solche wird es werden. Es wird nicht Bella-Remus sein, dazu liebe ich den Wolf zu sehr. Es wird auch nicht Bella-Lucius sein, denn wie gesagt, mit Malfoys kann ich nicht. Jason Isaacs gibt der Figur zweifellos etwas Charismatisches, und ich will auch nicht behaupten, all die Lucius-Schreiberinnen würden sich irren und ihre Zeit und Muse an eine unergiebige Figur verschwenden - aber mich triggert er nicht.
Bella-Sirius, damit habe ich ja schon etwas herum probiert, das hat seinen Reiz. Aber in meiner Geschichtenidee hat Sirius höchstens eine Nebenrolle.
Lasst Euch überraschen, mehr will ich Euch an dieser Stelle nicht verraten.
Jetzt will ich erst mal das rettende Ufer der Sommerferien erreichen, ein Wochenendchen The Virginian / Theriak besuchen fahren, und dann schreibe ich mal ein bisschen. Gebt mir Zeit, Ihr wisst, ich bin da langsam, und in der ersten Augusthälfte, so alles klappt, auch noch mal ein paar Tage verreist.
Ich hoffe, Ihr werdet schließlich für Eure Geduld belohnt.

Zeit für Fanfiction

  • Jul. 25th, 2009 at 9:18 AM
Wolfram
Na ja. Eigentlich ja eher KEINE Zeit für Fanfiction. Ich stecke bis zum Hals in der "Reloaded"-Version der Fliegenden Fische, und ein zweiter Spielmannsroman wartet auch noch auf seine Vollendung. Aber immerhin stehen hier in Bayern die Sommerferien vor der Tür, und die Bemerkung einer Freundin, ich wäre ja nicht mehr aktiv in der Fanfiction-Szene, kann ich nicht so auf mir sitzen lassen.
Es ist ja nicht so, dass sie nicht Recht hätte. Ich will bloß nicht, dass sie Recht hat.
Deswegen dachte ich, ich könnte doch mal ein altes Vorhaben wieder aus der Schublade holen und ein bisschen abspecken, so dass ein Oneshot draus wird.
2000 Seiten Bella-Fanfiction, wenn sich jemand erinnert.
Kam sie mir in den Büchern immer eher psychopathisch und reizlos rüber, so hat mich Helena Bonham Carters Darstellung in den Filmen doch schwer beeindruckt. Einer der seltenen Fälle von "Film schlägt Buch"...
Und weil das Leben ganz manchmal eben doch ein Wunschkonzert ist, dürft Ihr entscheiden, mit wem ich sie in diesem geplanten Oneshot zusammenspanne.
Ein paar Bedingungen gibt es:  Ich schreibe keine "klassichen Malfoys", also Lucius ode Draco. Ich schreibe keine Todesser mit MInderjährigen, das geht gar nicht. Ich mache keine "Unsinns-Pairings", also bitte nicht einfach mal "Bella-Hagrid" vorschlagen, nur um zu sehen, ob die Textehexe was draus machen kann.
Aber aus dem gesamten sonstigen erwachsenen Personal habt Ihr die Auswahl, und vergesst mir bitte die Frauen nicht.
(Hm. Bella-Minerva? Bella-Sprout? Bella-Dolores? Vielleicht fällt Euch ja noch etwas Besseres ein.)
Ach ja. Und könnte jemand bitte noch mein Gedächtnis auffrischen, was am Ende von Band 7 mit Bella geschieht? Ich mag den Schinken nicht extra deswegen nochmal lesen.
So, und nun bin ich sehr gespannt auf Eure Vorschläge.

Von Prinzen und Prophezeiungen

  • Jul. 23rd, 2009 at 11:21 AM
Wolfram
Eigentlich wollte ich ja, ehe mir der Halbblutprinz dazwischen kam, über etwas ganz anderes schreiben: über Bücher nämlich, ausnahmsweise. Genauer gesagt über zwei, mit denen mir etwas passiert ist, das mir schon ganz lange nicht mehr passiert ist: atemloses Lesen bei jeder Gelegenheit, Mitfiebern und die Figuren ins Herz schließen, als wären sie beste Freunde, schließlich, nach Ende der Lektüre, ein merkwürdiges leeres Gefühl, sozusagen ein Sturz in ein literarisches Loch.
Und zwar meine ich "Königsmacher" und "Königsmörder" von der australischen Schriftstellerin Karen Miller., erschienen in dieser neuen "Penhaglion"-Sparte des Heyne-Verlages.
Was hat man davon zu erwarten?
Was man vielleicht NICHT zu erwarten hat, ist ein umwerfend neuer, origineller Plot. Da ist dieses magiebegabte Volk, die Doranen, bei denen es zu Zeiten ihrer Urväter mal einen großen Krieg gegeben hat; Gut gegen Böse, Schwarz gegen Weiß, Jedis gegen Sturmtruppen, man kennt das Schema. Die Guten flohen vor den dunklen Kräften in ein anderes Land, das allerdings schon bewohnt war: von netten Leuten, so magiebegabt wie ein Baumstumpf, ein Fischer- und Bauernvolk. Die nahmen die Neuankömmlinge freundlich bei sich auf, und damit ihnen nichts passiert, errichtete die Chef-Doranin eine Art magisches Kraftfeld um das Land, genannt "die Mauer". So sollte alles Böse draußen bleiben. Die Mauer bezieht ihre Energie aus bestimmten Ritualen der Wettermagie. Die sorgt gleichzeitig noch für einen zuverlässigen Wetterbericht und das Ausbleiben von Unwettern und ist die Kernkompetenz des Königs.
Außerdem gibt es noch eine Prophezeihung, einen geheimen Zirkel, der dafür sorgen muss, dass sie eintritt, es gibt einen eigentlich guten Magier, der sich durch Machtgelüste korrumpieren lässt und das Land in die Schei..., Verzeihung, das Verderben reitet, und es gibt die große Konfrontation "Gut gegen Böse". Eigentlich nichts Neues.
Ungemein gefallen hat mir aber, wie diese ziemlich herkömmliche Geschichte erzählt wird. Im Kern der Erzählung steht eine nicht immer einfache, aber sehr tiefe Freundschaft zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern: Asher, einem einfachen Fischer, der in die Hauptstadt reist, um sein Glück zu machen, und Gar, dem Königssohn, der ein besonderes Handicap hat: er ist nicht magiebegabt.
Gar ist ein freundlicher, etwas lebensfremder Intellektueller, der selbst am meisten unter seiner "Behinderung" leidet und sich tapfer bemüht, nicht neidisch auf seine jüngere Schwester zu sein, die als magisch hochbegabt gilt und deshalb naturgemäß Thron und Posten der Wettermacherin erben wird. (Was Gars Job ist, weiß niemand so genau, einschließlich ihm selbst; er wird auf hohem Niveau so mit durchgefüttert). Asher ist ein junger, tatkräftiger Mann, der nach dem Motto "zu allem entschlossen, zu nichts zu gebrauchen" in der Hauptstadt antritt. Er ist auf eine erfrischende Art "rotzfrech" und ehrlich, sehr vital, feiert gerne, arbeitet viel und schreckt vor nichts zurück. Auf eine sehr intelligente Weise verstrickt die Autorin diese beiden Figuren immer enger miteinander, was am Schluss schon beinahe in einer "tödlichen Umschlingung" gipfelt.
Überhaupt leist man den Roman hauptsächlich, um Zeit mit den Figuren zu verbringen. Nicht nur mit Gar und Asher, sondern auch mit der durch und durch "normalen" und netten Königsfamilie, in der auch mal einer in die Serviette rotzt und die Füße auf den Tisch legt, mit Matt, dem loyalen und zuverlässigen Stallknecht, einer klassischen Unterstützerfigur (streckenweise an Hagrid erinnernd), und Dathne, einer sehr ungewöhnlichen Frauenfigur: zu spröde und intellektuell, um ein klassisches romantisches Element zu sein, zu farbig und vielschichtig, um nur die plotrelevante Nebenfigur zu sein. All diese Leute sind unglaublich nett, normal und sympathisch, und sie kommen mal besser, mal schlechter mit der Rolle zurecht, die ihnen das Schicksal in Form der Prophezeihung zugedacht hat.
Überhaupt sind es die Entwicklungen, die die Figuren durchmachen, die das Buch zu etwas Besonderem werden lassen. Kaum eine der Figuren ist am Ende noch die gleiche; kaum einer hat nichts gelernt oder ist nicht mindestens einmal über sich hinaus gewachsen. Das erstreckt sich auch auf alle Nebencharaktere. Wer bei Karen Miller einen Namen trägt, ist auch eine greifbare Person und hat im Plot etwas zu leisten. Es gibt keine Klischeefiguren, keine Archetypen, keine lose skizzierten Randfiguren. Das Personal des Romans ist für so einen dicken 2Schinken" angenehm überschaubar, was auch dazu führt, dass tatsächlich jede der Figuren genug zu tun hat und keine überflüssig ist oder in Vergessenheit gerät.
Jedenfalls eine klare Leseempfehlung an alle, die sich auch beim Spielmann nicht gelangweilt haben.

Und dann noch das:
Als ich mich eben an den Rechner setzte, um endlich diese überfällige Leseempfehlung zu verfassen, stolperte ich über diese Nachricht:
http://www.welt.de/kultur/article4153063/Frank-McCourt-und-die-ueble-katholische-Kindheit.html
Frank McCourt ist verstorben.
Die meisten kennen und schätzen ihn als Autor von "Angelas Ashes", dt. "Die Asche meiner Mutter" ("Schlimmer als die unglückliche irische Kindheit ist nur die unglückliche irische katholische Kindheit."). Ich kenne und schätze ihn als den Mann, der mir auf 308 Seiten alles beigebracht hat, was man über Lehrer, Schüler und das Unterrichten wissen muss:
http://www.amazon.de/Teacher-Man-FRANK-MCCOURT/dp/0007173997/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1248342990&sr=8-1
Ehrlich. Warum diese "Memoiren eines Lehrers" nicht die Pflichtlektüre für alle folgenden Generationen von Lehramtsstudenten sind, weiß ich nicht. Wenn es nach mir ginge, sie wären es.
Ich kannte diesen Mann nicht, aber seine Bücher haben mich sehr berührt. Er hat kaum etwas "erfunden", alle Bücher behandeln Teile seiner eigenen Biographie. Man kann nur froh sein, dass er als Pensionist noch das Schreiben für sich entdeckt hat, so bleiben uns seine unschätzbaren Erfahrungen, seine treffende, aber nie zersetzende Ironie und sein in hohem Maße unterhaltsames Erzähltalent erhalten.