You are viewing [info]textehexe's journal

Wolfram
Kein Geheimnis - viel war nicht mehr los auf diesem LJ. Zum Teil lag das an meinem immer noch verbesserbaren Zeitmanagement, zum Teil auch daran, dass auf meiner "Freundesliste" auch nicht mehr viel los war und ich deshalb selten Veranlassung hatte, hier vorbeizuschauen.
LJ, Facebook, zwei Webseiten - das war mir einfach zu viel und hat mich überfordert. Deshalb habe ich beschlossen, mal gründlich auszumisten und mich neu zu organisieren. Ab sofort werde ich mit einer einzigen, kompakten, immer aktuellen (Ha! Ein guter Vorsatz für 2012?!) Webseite im Weltweit-Netz präsent sein. In diese ist auch eine Blog-Funktion eingebunden, also werde ich weiter mit Euch plaudern können, und es gibt auch eine Kommentar- und Gästebuch-Funktion, damit auch Ihr weiterhin mit mir plaudern könnt.
Die Spielmanns- und Sternenritter-Webseiten schließen Ende Januar ihre Pforten. Beide Herren sind bereits ins neue Domizil umgezogen und fühlen sich dort ganz wohl, es ist so eine Art virtuelle WG, und das hat ja schon in der Vergangenheit ganz gut geklappt :)
Viele Inhalte der beiden Webseiten habe ich in die neue integriert. Manches wird allerdings auch aus dem Netz verschwinden - wer diesbezüglich etwas vermisst, der kontaktiere mich einfach - ich schicke dann das Gewünschte zu. Leider ist es mir nicht möglich, die alten Webseiten online zu lassen - ich muss die Gebühren einsparen, wenn ich die neue Seite betreiben will.
Dieses (kostenlose) LJ lasse ich stehen und deaktiviere nur die Kommentarfunktion.
Auch von Facebook werde ich mich demnächst verabschieden - aus verschiedenen Gründen. Zum einen gibt es auch hier den Zeitfaktor: Facebook sinnbringend zur Kommunikation zu nutzen, verschlingt mehr Zeit, als ich aufbringen kann und will. Zum zweiten gibt es viel an Facebook, was mich einfach nur nervt: die ständigen Mitteilungen über grotesk belanglose "Ereignisse" beispielsweise. Ich muss nicht wissen, dass jemand, den ich kaum kenne, auf seiner Online-Farm die dickste Kartoffel geerntet hat (und außerdem will ich nicht x-mal am Tag eingeladen werden, der Online-Nachbar des Online-Kartoffelbauern zu werden!)
Drittens behagt der Gedanke mir immer weniger, dass Herr Zuckerberg, der ja demnächst sein Unternehmen an die Börse bringt, mit meinen Daten und meiner Präsenz Geld verdient, ohne mir was davon abzugeben. Und immer noch mehr Daten von mir und allen anderen Usern will. Und es richtig schwer macht, in den Benutzereinstellungen das Häkchen zu finden, das ihm verbietet, mit meinen Daten anzustellen, was er will. Facebook mutiert immer mehr zu einer Monster-Daten-Krake, in die ich nicht eingesaugt werden will.
Deshalb hoffe ich, dass wir uns künftig hier sehen:
www.textehexe.com
Leicht zu merken, nicht wahr?
Ich freu mich auf Euch!
  • Add to Memories

Warten auf einen Anruf...

Wolfram

… und Nägelkauen nützt ja nix, hindert nur beim Tippen.

Was gibt es Neues? Nicht viel.

Ich habe, wenn man das Kind mal beim Namen nennt, eine Ausbildung, die auf dem heutigen Arbeitsmarkt kein Mensch braucht. Das Problem ist nicht nur, dass ich für viele Jobs unter- bzw. falsch qualifiziert bin, sondern auch, dass ich für viele andere überqualifiziert bin – eine klassische Zwickmühle, die mich beinahe wünschen ließe, ich hätte gar keine Ausbildung – dann würde man mich, Pfiffigkeit vorausgesetzt, vielleicht irgendwo anlernen.

Die Bewerberei gestaltet sich zäh. Durch die vorgegebenen, kind-bedingten Arbeitszeiten fallen viele Jobs von vorneherein weg (viele von den wenigen, die es gibt, sollte man wohl sagen). Alleinerziehend ist glaube ich auch kein Vorteil – jedenfalls wurde ich für zwei Jobs, die mir viel versprechend klangen und durchaus auch meinen Qualifikationen entsprachen, nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen, sondern gleich abgesagt. (Definiere gleich: nach einigen Wochen des Wartens.)

Es scheint länger zu dauern, bis man heute irgendwo unterkommt. (Lässt sich das verallgemeinern?)

Ich beginne schon, Alternativen in Betracht zu ziehen. Lottogewinn wäre eine feine Sache.

Morgen habe ich einen Termin bei meiner Arbeitsberaterin (oder wie die nette Dame heißt). Dieser Termin wäre eigentlich erst Ende August gewesen, aber ich hatte darum gebeten, „vorrücken“ zu dürfen, falls ein anderer absagt, und das hat tatsächlich geklappt.

Ich will mich auch mal über nebenberufliche Aus- /Weiterbildungen informieren. Vielleicht kann ich auf dem „2. Bildungsweg“ noch einen Abschluss erwerben, der mir taugt. (Vorausgesetzt, das findet nicht unter der Woche am Abend statt…)

Und ich weiß morgen dann hoffentlich, wie das Telefonat ausgeht, auf das ich (mit schwindender Hoffnung) warte. Ein Bekannter wollte mit seinem Kompagnon besprechen, ob ich als Disponentin in der gemeinsamen Zeitarbeitsfirma anfangen kann. Er selber lässt sich nicht recht in die Karten blicken, und so weiß ich nicht, wie das Gespräch mit dem Kompagnon ausgeht.

Ach ja, und das auch noch: Die „Fliegenden Fische“ erscheinen im Frühjahr 2012 im Himmelstürmer Verlag. Da haut das Leben Dir in die Fresse, und gleichzeitig schiebt es Dir ein Zuckerl rüber… gäbe es irgendwo einen jenseitigen Karma-Generator, man könnte ihm einen merkwürdigen Sinn für Humor bescheinigen.

Ich werde berichten.

  • Add to Memories

Plötzlich Prekariat

Wolfram

Laut gängiger Volksmeinung habe ich ab sofort noch ein Jahr, bis es anfängt: inflationäre Dummheit, mangelnde Hygiene, ausgeleierte Jogginghosen, rustikaler Umgangston und die vollständige Befreitheit von jeglichem Wunsch, zu arbeiten oder auch nur irgendetwas zu tun, das meinen Allerwertesten vom Sofa entfernt.

Dann könnte ich nämlich, wenn der Worst Case eintritt, Hartz IV beziehen.

Das geht ganz schön schnell, finde ich. Wie schnell ist ein Jahr vorbei?

Da lässt man sich an der Uni ausbilden, arbeitet, bekommt ein Kind, bleibt zuhause, arbeitet wieder und wird dann gekündigt, und alles, was einem von der gesellschaftlichen Endstation trennt, ist ein Jahr.

Gekündigt aus „technischen Gründen“ – weil die Anzahl der Stunden, die ich laut Ministerium unterrichten darf, nicht mit dem Bedarf im Stundenplan zusammenpasst. Ja, das Ministerium hat ziemlich genaue Vorstellungen, inwiefern man solche wie mich auf Schüler loslassen kann – und damit spiele ich nicht auf eine uneingestandene Lykantrophie an, sondern auf die Tatsache, dass ich kein Staatsexamen, sondern einen Fachabschluss (damals: Magister, heute: irgendwas zwischen Bachelor und Master) habe.

Auf den bildungspolitischen Schwachsinn, dass auf der einen Seite extremer Lehrermangel herrscht, auf der anderen Seite hochkompetente Lehrer (mit und ohne Examen) auf der Straße stehen, will ich an dieser Stelle gar nicht eingehen. Ich will hier lieber meinen Weg in die (und aus der?) Arbeitslosigkeit festhalten. Man liest ja viel und begegnet dem Thema zur Genüge in den Medien – nun will ich wissen, inwiefern Wirklichkeit und Medienwirklichkeit deckungsgleich sind.

Also: Kündigung erhalten, und sofort ist die erste Frist zu beachten: Ich musste mich binnen drei Werktagen auf dem Amt arbeitssuchend melden. Verstreicht diese Frist, bekommt man Strafabzüge vom Arbeitslosengeld. Gar nicht so einfach, diese Frist einzuhalten, die Öffnungszeiten des Amtes sind nicht gerade so üppig, und wenn man noch den alten Job ausfüllen muss, wird er schwer, eine Lücke zu finden.

Dann das „Aufnahmegespräch“: nach vertretbarer Wartezeit (etwa eine halbe Stunde) mit einer sehr netten, entspannten Sachbearbeiterin. Überhaupt habe ich bisher nur nette Mitarbeiter dort getroffen. Ich werde also erfasst und bekomme Unterlagen für das Jobportal der Arbeitsagentur: Ich kann dort ein Bewerberprofil anlegen und mich von Firmen finden lassen.

Noch am Tag meiner Kündigung beginnt die Jobsuche. Erster Eindruck: in der Bildungsbranche ist nichts zu holen. Der Markt ist geflutet mit arbeitslosen Lehrern, zum Teil bekommen die Einrichtungen hunderte von Initiativbewerbungen – wenn da ein Deutschlehrer nachfragt, kriegen die Schaum vorm Mund und beginnen, hysterisch zu lachen. Klar: wie viele Jahrgänge von examinierten Lehrern sind das mittlerweile, die der Staat im Referendariat billig zwei Jahre lang für sich arbeiten lässt und dann nicht übernimmt?

Also Alternativen. Die sind schmal. Zwei, drei Bewerbungen sind schon draußen, eine davon auch schon abgesagt. Bei den anderen (Online-)Bewerbungen fehlt sogar noch der „Danke, erhalten“-Vermerk. Ist das mittlerweile schon so wie im Verlagswesen? „Fragen Sie nicht nach, wenn Sie nichts von uns hören. Wenn wir an Ihnen interessiert sind, kommen wir schon auf Sie zu.“

Anspruchsvoll bin ich ja gar nicht. Ich würde auch einen Job nehmen, für den man nicht studiert haben muss (kellnern, Callcenter…). Aber dann bin ich doch wieder anspruchsvoll: ich kann nicht vor acht anfangen, und ich muss bis drei fertig sein. Und mit meiner Bereitschaft, längere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, steigen auch meine Gehaltsvorstellungen. Benzin muss man sich heutzutage auch erst mal leisten können.

Heute kam dann der Brief von meiner zuständigen Arbeitsberaterin: Termin am 26. August. Das ist immerhin vier Tage, bevor meine offizielle Arbeitslosigkeit beginnt. Den ganzen August über bin ich also auf mich allein gestellt. Ich frage mich, warum solche Termine nicht zeitnah verabredet werden. Zu viele Fälle pro Berater? Urlaubszeit? Ich hätte jedenfalls ein paar nicht ganz unwichtige Fragen bezüglich Sozialversicherung bzw. der freiwilligen solchen, die ich gerne früher gestellt hätte.

Das ALG 1 beträgt übrigens eine großzügige Hälfte vom letzten Bruttoverdienst. Wenn man da meinen mittelprächtig bezahlten Teilzeitjob zugrunde legt, kann man sich vorstellen, was da übrig bleibt. Wer da kein Erspartes hat, kommt schnell an einen Punkt, an dem er sein Auto verkaufen muss – und mindert damit seine Chancen, aus der Misere jemals wieder rauszukommen.

Das System zwingt dich, die eigenen Chancen aufzuessen. Und die sind bei allein erziehenden Müttern ja sowieso nicht so super – nicht auf einem Markt, auf dem man mit ledigen, wild entschlossenen Neunundzwanzigjährigen konkurriert.

Aber wir werden sehen. Ich bin gespannt, was geht, und in der Zwischenzeit beginne ich einen neuen Roman.

  • Add to Memories
Wolfram

Wenn mich derzeit jemand fragt: „Und? Wie geht’s?“, braucht er entweder eine Brille oder hat einen bösen Humor. Mit Gehen ist nämlich nicht weit her, im Augenblick, bedingt durch diesen Elefantenfuß, der das untere Ende meines linken Beines ziert. Der Elefantenfuß ist abschnallbar, zum Glück. Er besteht aus zwei sehr futuristischen, silbergrau-metallicfarbenen Plastikschalen, die man mit Klettverschlusstrippen um ein Frottee-Innenleben herum schnallt, in dem sich dann wiederum der Fuß befindet. Fakt ist aber, man will den Elefantenfuß gar nicht abschnallen, denn darunter ist was Gebrochenes, ein Mittelfußknochen, um genau zu sein, und wenn sich da im unbeschuhten Zustand ein Stäubchen drauflegt, gehe ich geradewegs durch die Decke.

Sitzen ist also angesagt, oder besser noch, liegen und Fuß in Herzhöhe lagern. Operiert werden muss diesmal nichts – ich bin ja voll im Thema, man hat ja zwei Füße, und warum nicht mal beide brechen, mit einem Abstand von zehn Jahren, aber die Erinnerung ist lebhaft?

Wenn mir dann mal nach richtig anstrengender Bewegung zu Mute ist, also so extremsport-mäßig, dann gehe ich duschen oder mal zum Briefkasten. Und schon finde ich es gar nicht mehr doof oder langweilig auf meinem Sofa, sondern bin heilfroh, dass ich dort liegen darf und mich nicht bewegen muss.

Wie das Ganze kam? Na ja, wir hatten eine wilde Schlägerei im Schlosspark von Meiningen. Ein paar Schrate waren da und wollten den Omis die Handtaschen klauen, und während Krona denen mal zeigte, was eine Harke ist (oder einer ihrer rechten Haken), war ich damit beschäftigt, die Omis aus dem Weg zu räumen, damit sie vom Kampfgeschehen nicht umgewalzt werden. Meinen treuen Superhund an der Seite haben wir so zehn oder fünfzehn Omis samt Handtaschen hinter einem Gebüsch gesammelt, als ich eine Nachzüglerin entdeckte: eine Omi, durch flaschenbodendicke Brillengläser und die Knöpfchen eines MP3-Players im Ohr völlig von der Außenwelt abgeschottet, stillvergnügt vor sich hin summend und mit direktem Kurs aufs Geschehen!

Ich hechtete also nach vorne und warf mich vor ihren Rollator – und mit dem hat sie mich dann, wie der Name schon sagt, überrollt. Aua.

Wie? Glaubt Ihr nicht? Omis haben keine MP3-Player, sagt Ihr? Na, aber gerade doch: oder habt Ihr schon mal eine mit IPhone gesehen?

Na gut, vielleicht war’s auch ein bisschen anders – aber der Schlosspark von Meiningen hat dabei eine Rolle gespielt.

Und Knochenärzte sind, das muss bemerkt werden, komische Menschen. War ich beim ersten Bruch (anderer Fuß, vor zehn Jahren) einem Pfuscher ausgeliefert, der mir weis machen wollte, das würde schon heilen, obwohl es das nicht tat (Resultat: 3 Monate auf Krücken) und zwischendurch mal in den Fängen von einem, der mich mit Stromschlägen gegen Rückenschmerzen behandeln wollte (vermutlich, damit mir alles andere so weh tut, dass ich die Rückenschmerzen nicht mehr bemerke), so habe ich nun einen, der mir munter verkündet, mit dem Elefantenfuß könnte ich prima rumlaufen und sogar Auto fahren. Was mich auch sehr glücklich gemacht hat, als ich noch nicht wusste, dass der Elefantenfuß ein solcher ist. Als ich ihn dann zum ersten Mal umgeschnallt bekam, erwuchsen mir Zweifel, ob der Arzt überhaupt wusste, wie so ein Ding aussieht.

Draufrumlaufen ist aua, geht nur mit Krücken und wenn der Fuß meistenteils in der Luft hängt. Ja, ich werde super Schultermuskeln haben, wenn das hier ausgestanden ist. Und Auto fahren – wenn man unerschrocken genug ist, mit einem riesigen, starren, skischuhartigen Gebilde die Kupplung zu betätigen – und reich genug, um im Falle eines Unfalles, auch unverschuldet, sämtliche Kosten selbst zu tragen, weil die Verscherung nicht zahlt – ja, dann kann man damit sicher Auto fahren.

Und so harre ich also der Heilung, die da kommt – gemächlich, ich bin schließlich nicht mehr sechzehn und meine Knochenregenerationsrate nicht mehr völlig frisch, bestelle Pizza, damit ich nicht kochen muss und fühle mich wie ein auf „Pause“ gedrückter Film…

Wahnsinn, wie plötzlich so ein Leben sich entschleunigen kann.

 

  • Add to Memories

Menschen ändern sich nicht,,,

Wolfram

… dabei wäre das manchmal so erfrischend.

Aktuell würde ich mir wünschen, ich wäre nicht immer so nett. Mit dem Nettsein aufzuhören ist aber gar nicht so einfach, es ist wie Zucker im Kaffee: irgendwann mochte man es mal, und dann hat man sich daran gewöhnt.

Ich hoffe nur, vom Nettsein kriegt man keinen Diabetes.

Ich mag eigentlich nette Menschen, und es würde sich besser auf unserem Planeten leben, wenn mehr Menschen nett zueinander wären. Es fiele mir beispielsweise nicht ein, jemandem den Parkplatz wegzunehmen oder mich in der Kassenschlange vorzudrängen. Oder jemanden anzupampen, weil ich selber schlecht drauf bin. Ich pampe ja die Leute nicht mal an, wenn sie es verdient hätten, zum Beispiel, weil sie mich zuparken. Ich sage dann Sachen wie: „Würden Sie bitte mal eben Ihr Auto da wegfahren… ja… nein…bitte jetzt, nicht in einer halben Stunde… ach so… ja… ich warte.“ Und dann warte ich und träume davon, meinen Autoschlüssel, oder besser noch, mein Multitool, einmal vom Kotflügel über beide Türen bis hinter zum Kofferraum… und zwar mit der gezackten Minisäge.

Nettsein ist wie Rauchen. Verführerisch, damit anzufangen, und schwer wieder loszuwerden. Nur dass Rauchen einen nicht hindert, erfolgreich zu sein, Nettsein schon – wer nach oben will, muss auch mal ein Schwein sein.

Von diesem Standpunkt aus betrachtet, war der Konsum von fünf Staffeln „Dr. House“ in weniger als drei Wochen so etwas wie eine Selbsttherapie.

Ich bin sehr fasziniert von dieser Serie. Jede Folge hat den gleichen Aufbau, und was vielleicht langweilig klingt, ist wahrscheinlich das Erfolgsrezept der Serie: Der Spannungsbogen ist gut und verhindert auch, dass die Figuren der Serie sich zu sehr um sich selbst drehen.

Die Hauptperson selbst ist hervorragend erfunden: ein zynischer, tablettensüchtiger Menschenfeind, der sich vorzugsweise in der Pathologie versteckt, um seinen Patienten aus dem Weg zu gehen, und dort Arztserien auf einem tragbaren Fernseher guckt. Das Schicksal seiner Patienten berührt ihn eher wenig, ihm geht es nur um den Geisteskick, den er erfährt, wenn er das Rätsel löst bzw. das Puzzle zusammensetzt. Ein hoch intelligenter emotionaler Krüppel mit blauen Kinderaugen, von Hugh Laurie mit einer Eindringlichkeit gespielt, die selbst in der Überdosis nichts von ihrer Faszination verliert.

Nun gibt es natürlich auch in dieser Arztserie die Irrungen und Wirrungen der Liebe, und als fanfictiongeschädigte Leserin hatte ich ja stets befürchtet, es würde das passieren, was man aus so vielen Snape-Fanfictions kennt: Der Kotzbrocken muss nur die richtige Frau treffen, die erkennt, wie einsam und erlösungsbedürftig der arme Kerl ist, und dann rettet sie ihn und er lässt seine Maske fallen und entpuppt sich als einfühlsamer Märchenprinz. Doch nicht so hier, ein Glück: Dr. House will sich einfach nicht retten lassen, die Serienmacher bleiben „in Character“, was für eine Wohltat.

Ja, und obwohl ich kurz davor bin, hier einen kleinen Housealtar zu errichten und diese Figur kultisch zu verehren, weil es mich einfach fasziniert, wie man so grätzig zu seinen Mitmenschen sein kann, passiert wieder das, was mir immer passiert. Ich verehre den menschenfeindlichen Tränkemeister und verbrüdere mich mit dem netten Werwolf. Oder hier: Ich verehre House und verbrüdere mich mit den netten Kollegen (Wilson und Chase).

Vielleicht braucht es noch fünf weitere Staffeln, ehe ich diese Prägung überwinden kann.

EDIT: Ich WUSSTE es. Es gibt HAUFENWEISE House-Fanfiction da draußen. Die Mädels machen doch vor nichts Halt. Wenn das das Erfolgsrezept ist, wäre ich gerne männlich und ein kaputter Typ.

  • Add to Memories

Nochmal schnell was posten...

Wolfram
... bevor uns in Deutschland demnächst die Lichter ausgehen.
Sieben, in Worten 7, Atomkraftwerke sollen ja jetzt vorerst vom Netz genommen werden. Was, wie uns in den letzten Monaten (also im Leben VOR der Japan-Katastrophe) regelmäßig und ausdauernd erklärt wurde, zu einer dramatischen Unterversorgung Deutschlands mit Strom führen wird, die ja schon einträte, wenn man nur eines, ein ganz altes, gorkeliges, vom Netz nähme, weshalb die armen alten Meiler Tag für Tag weiterlaufen müssen, obwohl sie schon ganz müde sind, zu unser aller Wohl.
Ja, und jetzt gleich sieben Meiler, ja wissen die denn nicht, dass jetzt die warme Jahreszeit kommt und mein Fensterbrett-Kühlschrank nicht mehr funktionieren wird? Wir sollten jetzt auch alle losgehen und Kerzen kaufen, so lange es noch welche gibt, und vielleicht so Generatoren, die Strom machen, wenn man radelt. Vermutlich werden wir im Verlauf der drei Monate sowieso alle abkommandiert, um für die Stromversorgung von Krankenhäusern zu radeln. Nicht dass uns da noch die Patienten sterben, weil in Deutschland die Lichter ausgehen.
Oder - grauenvoller Gedanke - ich wage kaum, ihn hinzuschreiben - sollte uns die Regierung möglicherweise belogen haben? Werden in Deutschland die Lichter gar nicht ausgehen? Sind wir vielleicht gar in den letzten Jahren so überversorgt mit Strom gewesen, dass wir welchen ins Ausland abgegeben haben? Mei, was werden da die alten süddeutschen Meiler dazu sagen, wenn sie erfahren, dass sie sich womöglich ganz umsonst den Arsch aufgerissen haben, womöglich gar nicht für unser aller Wohl, sondern für klingende Kassen in der Atomlobby?
Es ist zum Davonlaufen. Diese Regierung nervt mich sogar, wenn sie Atommeiler abschalten.
  • Add to Memories

Hit the road, Karl-Theodor...

Wolfram
... und das nicht ohne Bedauern.
Guttenbergs Plagiat-Affäre - ein Thema, an dem man kaum vorbeikommt - nicht nur, wenn man, wie ich, an der Uni Bayreuth studiert hat.
Ich bin meiner Uni ja nicht gerade in honigsüßen Erinnerungen verbunden - meine Uni-Zeit war eher wie eine Packung Aufschnitt, die seit drei Tagen angebrochen im Kühlschrank liegt - gerade noch genießbar, aber die mediale Omnipräsenz der Schauplätze, der Hörsäle und Gebäudefronten, tut mir trotz allem weh. Die Uni Bayreuth wird wohl aus dieser Affäre nicht herauskommen, ohne Schaden zu nehmen. Immerhin war der Jura-Lehrstuhl das Aushängeschild der Uni, und die Leute kamen von sonstwo, um dort zu studieren. Jetzt muss sie sich fragen lassen, wie ernsthaft die Professoren dort ihren Job machen. Dass ein unverhohlenes Copy & Paste dort niemandem auffiel?
Bestürzend fand ich anfangs, wie achtlos die Öffentlichkeit sich die Vorwürfe gegen KTG von der Jacke geputzt hat. Mal ein bisschen "gespickt", wer wird sich da schon aufregen. Nur ganz langsam (und der BILD-Zeitung zum Trotz) hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es ernst zu nehmende Vorwürfe sind, die da im Raum stehen. Urheberrechtsverletzungen, möglicherweise Täuschung. Dagegen kann strafrechtlich vorgegangen werden (und wird wohl auch, nach allem, was ich zuletzt gelesen habe).
Es ist schon klar, dass jemand, der keine Universität besucht hat, die Vorschriften zum Umgang mit Quellen nicht kennt. Erschreckt hat mich nur die Beharrlichkeit, mit der zunächst an Guttenberg als Lichtgestalt, als Heilsbringer festgehalten wurde. Die interessante Frage hier ist doch: Wie langweilig ist der Rest der Politik / der Politiker, dass ein solcher Personenkult überhaupt entstehen kann?
Achtung und Anerkennung hat KTG absolut verdient. Bis zur Affäre verhielt er sich klar, äußerte sich verbindlich. Sowohl Kundus als auch Gorch-Fock rütteln für mich nicht an diesem Bild, Gorch-Fock zeigt für mich höchstens einen unsicheren Umgang mit der medialen Öffentlichkeit. Die Bundeswehr-Reform war überfällig, und ich habe den Überblick verloren, wie viele Verteidigungsminister vor ihm diesbezüglich Sätze formulierten, die mit "Jemand müsste mal..." begannen. Aber das ist wie mit dem Müll: Den trägt "Jemand" auch nie raus.
Wenn die Affäre jetzt ein strafrechtliches Nachspiel hat, befürchte ich, ist es vorbei mit einer weiteren politischen Karriere. Ein vorbestrafter Kanzlerkandidat - das geht nicht einmal mit so viel Charisma. Nicht einmal, wenn das Wahlvolk einmal mehr beweist, wie kurz das kollektive Gedächtnis sein kann.
Und auch wenn es schade ist: richtig ist es doch. Jeder Klaus oder Karsten, der seine Doktorarbeit fälscht, hat Gleiches zu erwarten. Jedes Vorstandsmitglied eines großen Konzernes, dessen Doktor sich als erschlichen herausstellt, ist seinen Posten los, egal ob der Doktor zur Ausfüllung der Aufgaben nötig ist oder nicht.
Abschreiben in diesem Zusammenhang ist verboten. Wer das tut, wird bestraft. Die Argumente der Verteidiger, er hätte im Amt bleiben sollen, er sei doch ein guter Minister und benötige den Doktortitel nicht, kann ich nicht verstehen. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Stellen wir uns vor, er hätte nicht plagiiert, sondern etwas anderes Verbotenes getan. Eine Bank überfallen. Einen Autounfall getürkt, um die Versicherungssumme zu kassieren. Den Hund des Nachbarn vergiftet. "Egal, denn er ist doch so ein guter Minister?"
Ich finde es schade, dass da jemand offensichtlich über seine eigenen überhöhten Ansprüche gestolpert ist. Und ich möchte nicht in den Schuhen desjenigen stecken, der den Job ab sofort übernehmen muss. Da gehe ich doch lieber weiter in die Schule und schärfe meinen Schülern ein, was passiert, wenn sie "den Guttenberg machen".

Tags:

  • Add to Memories
Wolfram

Zuletzt beim Lesen geweint – also so richtig, mit Taschentuch, Schluchzen und erzwungener Lesepause, da tränenblind – habe ich 1991, als Gandalf gegen den Balrog verlor – und später noch mal bei der großen Abschiedsszene an den Grauen Anfurten. Und kürzlich wieder, als Staubfinger starb (und noch einmal, als er wiederkam). Dazwischen gab es ein paar feuchte Augenwinkel, ein bisschen Gezwinker, aber nichts Ernstes.

Man sieht schon, ich bin nicht so leicht aus der Fassung zu bringen beim Lesen.

Nein, ich habe nicht mal geweint, als Sirius durch den Vorhang fiel – das hielt ich bis Mitte Band Sieben für einen schlechten Scherz – und auch nicht, als der Lieblingswolf von seiner Autorin hinterrücks abgemurkst wurde – da war ich viel zu wütend, und auch nicht eine Sekunde lang bereit, diese Entscheidung zu akzeptieren, 1000 Seiten Fanfiction-Wolf im Rücken.

Was war diesmal anders?

Nun ja, zum einen sind es natürlich immer die „einsamen Wölfe“, denen ich mein Herz schenke, die ruhigen, geheimnisvollen Figuren, die melancholischen, sehnsuchtsvollen – aber im Falle der Tintenwelt war da noch mehr.

Was auch aufgefallen sein dürfte: Es dauert bei mir immer ein bisschen, bis ich auf einen „Hype“ aufspringe. Zu Harry Potter kam ich, als Band Vier erschien. Ich habe einfach ungern das Gefühl, einer Massenbewegung zu folgen, und im Falle Harry Potter war ich mehr als überrascht, dass es doch so originelle, erfrischende Kinderliteratur war, auf die alle so abfuhren. Im Falle der Tintenwelt hatte ich nicht mal mehr die Zeit, überrascht zu sein – ich wurde einfach eingesogen.

Das Prinzip des Zaubers ist einfach: Sowohl Rowling als auch Funke greifen heimliche, gut gehütete Kinder- und Jugendträume auf. Du fühlst Dich wie der Fußabtreter der Welt? Alle sind unfreundlich und sagen Dir, dass Du nichts taugst? Zack, Du bist ein Zauberer, Du bist etwas Besseres, und in der neu entdeckten Zauberwelt bist Du ein Star. Und es gibt so viel zu entdecken.

Du bist ein einsames Kind / ein einsamer Teenager (und wer war das nicht, zumindest phasenweise?) und lebst mehr in Deinen Lieblingsbüchern als in der wirklichen Welt? Du wünschst Dir Freunde, wie sie in den Büchern beschrieben sind, anstelle der Luschen, die in Deiner Straße wohnen? Zack, da steigen sie aus den Büchern heraus, Du kannst sie anfassen, Du kannst sie riechen, mit ihnen sprechen (und Dich über sie ärgern, aber das gehört vielleicht dazu). Gibt es jemanden, der davon nicht geträumt hat? Ich habe meine gesamte Kindheit und Jugend in diesem Zustand verbracht – und über die geliebten Figuren zu schreiben, kam der Erfüllung dieses Traumes noch am nächsten.

(Glaubt mir, ich habe die Fanfiction erfunden, Mitte der 1980er, die Zeugnisse dessen haben nur zum Glück die Jahre nicht überdauert.)

Was gehört aber dazu, dass ich mich in einen Roman so fallenlassen kann, dass ich zügellos Tränen vergieße, wenn „meine“ Hauptfigur stirbt? Ich muss der Autorin vertrauen. Ich muss sicher sein, dass sie mit meinen Gefühlen nicht leichtfertig spielt, dass sie mich nicht hinter der nächsten Handlungsecke mit einem Eimer kalten Wassers erwartet. Dass sie mich nicht enttäuscht, indem sie „meine“ Hauptfigur in sich unlogisch handeln lässt, ihre Möglichkeiten nicht ausschöpft, oder sie gar durch einen Vorhang schubst, wenn sie ihr über den Kopf gewachsen ist. Ich will nicht, dass Demonstrationen der Macht an „meinen“ Figuren (und damit meinen Gefühlen) vorgenommen werden – will nicht, dass die Autorin etwas oder jemanden, an dem ich hänge zerstört, einfach weil sie es kann.

Was das betrifft, war ich bei Frau Funke in den allerbesten Händen.

Natürlich trägt zum Zauber auch die beinahe altmodische Erzählweise bei – im allerbesten Sinne. Hier wird erzählt. Frau Funke verweilt in der Situation, kostet sie aus, nutzt die sich bietenden Möglichkeiten. Hetzt nicht wie im modernen Actionroman von Szene zu Szene. Bleibt bei ihren Figuren, und wenn die etwas Wichtiges zu sagen oder zu fühlen haben, dann lässt sie ihnen die Zeit.

Es wird viel geredet. Die Figuren reden miteinander, das fällt vor allem beim Vorlesen auf: Band Eins, Tintenherz, lese ich gerade meinem Sohn vor (der zwar schon sehr gut selbst lesen kann, aber an der Tradition des Vorlesens hängt – und welches Buch eignete sich besser, um diese Tradition zu pflegen). Trotzdem ist kein Wort zu viel, kein Dialog überflüssig. Die Fragen, die gestellt werden, sind unvermeidlich, und zu keinem Zeitpunkt gleitet Rede ab in Geschwätz.

Die Sprache tut ihr Übriges. Auch dem Leser gibt Frau Funke die Gelegenheit, in einem „Setting“ anzukommen und sich umzusehen. Ich bin keine Freundin großer Beschreibungen (weshalb mich auch die meisten Fantasyromane schnell ermüden), aber hier fügen sie sich so natürlich in den Fortgang der Handlung und sind rein sprachlich so schön, dass man sich viele davon anstelle eines Bildes gerahmt an die Wand hängen möchte. Natürlich gibt es auch Actionszenen und die sind dann deutlich schneller, aber sie dienen als Höhepunkte und nicht als Dauertempo.

Actionszenen führen nie dazu, dass Leser einer Figur nah werden. Die Liebe kommt, wie im wirklichen Leben, in den ruhigen Minuten (aber was ist schon wirklich?).

Was noch wichtig ist: Die Figuren bestimmen die Handlung, nicht umgekehrt. Während ich bei Frau Rowling oft das Gefühl hatte, dass die Figuren sich der Handlung anpassen müssen, z.B. indem sie Zaubersprüche einfach „vergessen“, damit Dramatik oder Problempotential erhalten bleiben, ergibt sich bei Frau Funke die Handlung geradezu zwingend aus der Charakteristik und dem Seelenleben der Figuren.

Beispiel: Mortola. In Band Eins noch eine Nebenfigur, wird sie zunächst als die Dienerin des Ober-Bösewichts eingeführt. Im Verlauf erfährt man, dass sie die Mutter des Ober-Bösewichts ist und ihn abgöttisch liebt (auch seine Handlungsweisen gutheißt). Blöd für sie, dass der Ober-Bösewicht am Ende von Band Eins stirbt.

Band Zwei öffnet einen neuen Handlungsstrang, der nur noch sehr lose mit dem des ersten Bandes verknüpft ist. Auch in Band Zwei hat der „Mörder“ des Ober-Bösewichts eine tragende Rolle, nämlich als einer der Top-drei-Hauptfiguren, wenn nicht die Hauptfigur. Er denkt schon kaum mehr an den Ober-Bösewicht, ist mit völlig anderen Problemen befasst, es entspinnt sich eine völlig neue Handlung: aber da gibt es noch Mortola, die verzweifelte, von Hass verzehrte Mutter, deren Sohn in ihren Augen kalt ermordet wurde. Und während sie bei JK, jede Wette, einfach in der Versenkung verschwunden wäre – sie ist am neuen Plot nicht beteiligt, also löst sie sich in Luft auf – entwickelt sie sich bei Frau Funke zum chaotischen Element, das dem Helden immer wieder in die Quere kommt, zwei dicke Bücher hindurch getrieben von dem Verlangen, den Tod ihres Sohnes zu rächen. Das ist so logisch, das ist so überzeugend, es verleiht der ganzen Welt Tiefe und führt dazu, dass man ihre Figuren ernst nimmt – wie Personen, die aus eigenem Antrieb handeln, nicht Marionetten, die an Strippen hängen.

Natürlich mag man in jedem Buch manche Figuren mehr als andere. Mit Mo, dem Buchbinder-Actionhelden, konnte ich vor allem ab Band Zwei nicht so richtig – er ist eben der klassische Held, und mein Herz schlägt nie auf der Seite der Helden. Wie kunstvoll übrigens mit seinen Identitäten gespielt wird – es ist nicht Mo, der Buchbinder, der zum Held wird, sondern der Eichelhäher, eine Art Robin-Hood-Figur, dessen Identität er annimmt und die bis dahin nur eine Legende war – eine Geschichte, die man sich innerhalb einer Geschichte erzählt – das sei hier nur kurz angerissen. Mo und ich jedenfalls waren kein Traumteam, und dass ich beim Lesen immer Brendan Frasers hamsterbackiges Teddybärgesicht vor Augen hatte, half nicht. Und auch der Umstand, dass Brendan Fraser in Frau Funkes Phantasie die optische Vorlage zu Mo geliefert hat, half mir nicht – aber ich wäre auch die letzte Autorin, die verlangt, dass die Leser ihre Vorstellung von den Figuren teilt, und ich bin sicher, Frau Funke tut’s auch nicht.

(Mal ehrlich: für wen von Euch ist Krona blond?)

Ein anderes Beispiel für die Intensität, mit der Figuren sich einander verbinden, ist die Dreiecksgeschichte Staubfinger – Farid – Roxane. Roxane ist Staubfingers Frau, die er durch unglückliche Umstände zehn Jahre lang nicht gesehen hat, nach der er sich verzehrt hat wie Papier im Feuer. Farid wiederum ist ebenfalls ein Gestrandeter, ein Teenager, der sich ab der ersten Begegnung Staubfinger anschließt, eine Art kultische Heldenverehrung aufbaut und schließlich zu Staubfingers Lehrling wird. Staubfinger, als Einzelgänger zunächst genervt und verunsichert von dem aufdringlichen Jungen, lernt, ihn erst zu dulden, dann zu mögen und schließlich als eine Art Ziehsohn ins Herz zu schließen. Farids Gefühle Staubfinger gegenüber werden mit großer Intensität geschildert; eine  beinahe romantische Liebe entsteht da, und ich wundere mich wirklich, dass es dazu nicht tausende Fanfictions gibt – aber vielleicht sind die Figuren zu groß, zu „rein“, als dass man in ihren Biographien pfuschen wollte.

Als Staubfinger wieder mit Roxane vereint wird, reagiert Farid folgerichtig eifersüchtig. Diese Dreiecksbeziehung ist nur eine Nebenhandlung, hat aber ein Bewegungsmoment, das die Handlung immer wieder antreibt. Roxane nimmt ihren tot geglaubten Ehemann nicht gerade mit offenen Armen auf (auch das ist logisch, sie hat sich ihr Leben inzwischen anders eingerichtet), und Farids Stimmung verläuft in den gleichen Wellen wie die des Ehepaars, nur mit umgedrehtem Vorzeichen: Glücklich, wenn auch mit schlechtem Gewissen, wenn Roxane ihren Mann abblitzen lässt, und eifersüchtig, ebenfalls mit schlechtem Gewissen, wenn sie ihn einlässt. Je näher sich das Ehepaar wieder kommt, desto stärker löst Farid sich ab – auch ein Prozess des Erwachsenwerdens – bis er sich schließlich von Staubfinger löst und seinen eigenen Weg geht (inzwischen ist jeder für den anderen einmal gestorben und von den Toten zurückgekommen, was dieser Beziehung Einzigartigkeit verleiht).

Natürlich gibt es auch Handlung in den Büchern, aber das „Alleinstellungsmerkmal“ der Trilogie ist nicht die Handlung. Im ersten Band meine ich sogar, dass die Handlung selbst, also der reine Plot, mich nicht umgehauen hat: das ist doch ein bisschen viel Tauziehen und Hin und Her um das begehrte Buch, hier hätte ich mir mehr Konturen oder Akzente gewünscht. Band zwei und drei, die inhaltlich zusammenhängen, sind von der Handlung her komplexer, verwoben wie ein vielfarbiger Teppich, mit vielen unberechenbaren Elementen und auf eine kluge Art gefügt, die sprachlos macht. Hierüber könnte ich nochmal drei Seiten schreiben, und eine literaturwissenschaftliche Arbeit über die Rolle des Todes, nicht als Beender, sondern als Verwandler – und über die Verantwortung, die Schriftsteller für ihre Welten und Geschöpfe haben – was passiert, wenn sie sie instrumentalisieren, wenn sie eitel sind und sich nicht völlig in den Dienst ihrer Figuren stellen – was ich JK unterstelle, was aber auch innerhalb der Tinten-Trilogie immer wieder thematisiert wird – und über die mittelalterlichen Motive, sowohl in Sprache als auch im Setting, die Frau Funke aufgreift (wobei ich mir hier ein wenig mehr Konsequenz in der Namensgebung gewünscht hätte, denn hier stehen italienisch angehauchte Namen wie Basta neben „sprechenden“ Namen wie Staubfinger, neben literarisch belegten Namen wie Roxane, neben irisch anmutenden wie Brianna…) – und über tausend andere Dinge ebenfalls. Ganz zu schweigen von den 2000 Seiten Staubfinger-Fanfiction, die mir mit einem Fingerschnippen einfallen würden.

Irgendjemand hat mal in irgendeinem Kommentar zum Spielmannslied geschrieben, im Vergleich zu mir könne Frau Funke einpacken. Damals habe ich das geschmeichelt zur Kenntnis genommen. Heute muss ich das (bestimmt lieb gemeinte) Kompliment beschämt von mir weisen.

Ich muss noch ganz viel üben.

 

  • Add to Memories

Ich werde nie wieder schlafen.

Wolfram

Ich habe jetzt nämlich eine neue Kaffeemaschine. So eine von den schicken, die auch in gut ausgerüsteten kleinen Büroküchen stehen. Was passt, denn meine Küche ist auch mein Büro, zumindest zeitweilig. Eine Padmaschine, keine mit Kapseln, da finde ich die Müllbilanz unverantwortlich, bei meinem regelmäßigen Konsum.

Ich habe ja lange gehadert, ob ich mir so ein Maschinchen leisten soll – immerhin musste ich bisher auch nicht ohne Kaffee leben, und Geld für etwas zu bezahlen, das ich ohnehin schon habe, ist mir immer zuwider. Aber mein alter Vollautomat hatte in den letzten Jahren zwei Nachteile entwickelt: Zum einen verstopfte die riesige Kiste, ursprünglich für eine wesentlich größere Küche angeschafft, mein kleines Küchenbüro und nahm sich darin aus wie ein Elefant in einem Hamsterkäfig. Zum anderen war im Laufe der Jahre irgend etwas in den Eingeweiden kaputt gegangen, was dazu führte, dass die Kaffeebohnen nur noch grob zerkleinert wurden – zu einer Substanz, die in ihrer Körnigkeit irgendwo zwischen Aquariensand und Streugut lag. Von Pulver keine Spur. Was im Ergebnis zu einem, sagen wir, sehr herz- und magenschonenden Kaffee führte. Und weil Kaffeemaschinen der Blackberry des kleinen Mannes, bzw. der kleinen Frau sind, gab ich meinem Spieltrieb nach und bestellte mir im Ausverkauf mein schickes neues Maschinchen.

Ja, vorbei is mit herz- und magenschonend. Eine Tasse des Gebräus hält mich für ungefähr sechsundfünfzig Stunden wach. Da ich es aber gewohnt bin, vier bis fünf Tassen am Tag zu trinken, ergibt sich zwingend logisch obige Prognose.

Auch gut: hab ich mehr Zeit zum Schreiben.

  • Add to Memories

Gute Neujahrsvorsätze, und ein Aufruf

Wolfram
Hier mal der Link zum aktuellen Kapitel von "Der Fuchs und der Spielmann":
http://www.fanfiktion.de/s/4d0c78da000030130c90138a/4

Kapitel Vier - eine reife Leistung, bei einer Geschichte mit nur drei Kapiteln... Und es werden schon noch mal so zwei, drei weitere werden. Ja, das passiert, wenn der Spielmann ins Erzählen kommt...
Vielleicht wollt Ihr ja mal ein Review dalassen. Ihr wisst ja, ich bin nicht so der Typ, der um Revs bettelt, aber es ist echt schön, welche zu bekommen - zumal ich ja an dieser Geschichte nicht mal die üblichen 98 Cent pro Exemplar verdiene... Also, gebt Euch einen Ruck :)
2011 wird übrigens das Jahr, in dem ich fertig schreibe. Was? Na, alles, was so angefangen rumliegt. In 2010 war ich ein wenig undiszipliniert und habe so dies und das angefangen, darunter zwei Kurzgeschichten, beide mit Potential, irgendwann mal zum Roman ausgebaut zu werden. Außerdem bin ich kürzlich mal wieder über den Wüstenwolf gestolpert (es war eine lichte Vollmondnacht, und er lag auf meinem Teppich und kaute an den Fransen, Sand im Fell und Sehnsucht im Blick) und hätte wirklich Lust, ihn fertig zu schreiben (falls jemand da draußen die olle Kamelle noch lesen will). Überdies und außerdem gibt es ja noch ein 500-Seiten-Fragment auf meiner Festplatte, eines Fantasy-Romans mit Krona in der Hauptrolle (ohne Spielmann und mit einer deutlich älteren Krona) - ich weiß nicht, ob Ihr's wusstet, aber Krona existiert ja in meiner virtuellen Familie schon viel länger als der Spielmann. Ihre "Vorgängerin", oder ihr Ursprung, wie man's nimmt, ist eine Figur, die ich mal für ein Star-Trek-Rollenspiel entworfen habe. Das war Anno 1994 oder 1995... und ich wäre heute nicht die Person, die ich bin, hätte ich nicht als "Krona" (bzw. Rika Elkor) jahrelang die USS Enterprise kommandiert... Soll noch einer sagen, Rollenspieler sind Freaks.
Aber so vergehen die Jahre, und plötzlich ist man "old school": weil man für Fantasy- bzw. Science-Fiction-Rollenspiele keinen Computer und schon gar kein Internet braucht, sondern nur ein paar Würfel, ein paar Regeln und einen guten Spielleiter.
Aber eigentlich wollte ich das ja gar nicht erzählen. Sondern nur, dass mein guter Vorsatz für 2011 ist, eben ein paar Sachen fertig zu schreiben. Und das ist doch deutlich sinnvoller, als endlich mit dem Rauchen anzufangen.
  • Add to Memories